FREIBURG

Studie aus Freiburg: Zusammenarbeit mit AfD auf kommunaler Ebene eher akzeptiert, auf Bundesebene abgelehnt

Eine Regierungskoalition zwischen CDU/CSU und AfD auf Bundesebene stößt bei einer aktuellen Online-Befragung der Universität Freiburg überwiegend auf Ablehnung – bei einer Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene fällt die Bewertung dagegen deutlich anders aus. Das zeigen die Ergebnisse des Politikpanels Deutschland, an dem sich Ende Oktober und Anfang November 2026 knapp 7.000 Menschen vollständig beteiligt haben.

Rund 65 Prozent der Befragten halten eine Koalition der Union mit der AfD im Bund für eher oder völlig inakzeptabel. Eine gemeinsame Bürgermeisterwahl durch beide Parteien würden dagegen 52 Prozent eher oder völlig akzeptieren.

Auch gemeinsame Abstimmungen über Vorschläge der AfD finden auf kommunaler Ebene mit 53 Prozent mehr Akzeptanz.

Unterschiede zwischen Bund und Kommunen

Die Befragung untersuchte verschiedene Formen einer möglichen Zusammenarbeit von CDU/CSU und AfD auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene.

Dabei zeigen sich zwei Muster: Je enger die politische Zusammenarbeit, desto geringer ist ihre Akzeptanz. Gleichzeitig fällt die Zustimmung auf kommunaler Ebene höher aus als auf Bundes- oder Landesebene.

Bei gemeinsamen Abstimmungen über Vorschläge der CDU liegt die Akzeptanz unter den Befragten bei 57 Prozent auf Bundesebene, 59 Prozent auf Landesebene und 63 Prozent in den Kommunen.

Unabhängig von der politischen Ebene lehnen 30 Prozent der Befragten sämtliche untersuchten Formen der Zusammenarbeit ab. Weitere 23 Prozent halten alle Formen für akzeptabel.

Studienleiter Professor Uwe Wagschal beschreibt die Ergebnisse mit den Worten: „Die Brandmauer steht im Bund und in den Ländern noch weitgehend – aber sie bröckelt von unten.“

Auch Unionsanhänger unterscheiden nach politischer Ebene

Unter den Befragten mit Präferenz für CDU oder CSU halten 16 Prozent eine gemeinsame Regierungskoalition mit der AfD im Bund für akzeptabel.

Eine Duldung einer CDU-Minderheitsregierung durch die AfD akzeptieren dagegen 48 Prozent.

Bei einer gemeinsamen Bürgermeisterwahl liegt der Anteil bei 52 Prozent. Gemeinsame Abstimmungen über AfD-Vorschläge akzeptieren 41 Prozent auf Bundesebene und 56 Prozent auf kommunaler Ebene.

Mehrheit für allgemeine Dienstpflicht

Das Politikpanel beschäftigte sich außerdem mit einer möglichen allgemeinen Dienstpflicht für junge Männer und Frauen.

62 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus, 28 Prozent dagegen. Die Zustimmung ist gegenüber Februar 2026 leicht zurückgegangen.

Bei den 18- bis 30-Jährigen überwiegt laut Auswertung dagegen eine leicht ablehnende Haltung. Die größte Zustimmung findet sich unter den ältesten Befragten.

Viele erwarten Arbeitsplatzverluste durch KI

Auch der Einsatz Künstlicher Intelligenz wurde untersucht.

30 Prozent der Befragten nutzen KI-Anwendungen beruflich mindestens einmal täglich, privat sind es 39 Prozent.

76 Prozent erwarten, dass durch KI die Zahl der Arbeitsplätze in Deutschland sinken wird. Um den eigenen Arbeitsplatz sorgen sich dagegen 17 Prozent.

Eine verpflichtende KI-Qualifikation in Ausbildung und Studium unterstützen 60 Prozent der Befragten.

Für politische Entscheidungen wird KI bislang seltener genutzt: 24 Prozent haben sie bereits als Wahlentscheidungshilfe eingesetzt. Den Wahl-O-Mat haben nach eigenen Angaben 91 Prozent schon einmal verwendet.

Polizei und Gerichte genießen das größte Vertrauen

Bei der Frage nach dem Vertrauen in staatliche und gesellschaftliche Institutionen liegen Polizei und Gerichte vorn.

69 Prozent der Befragten vertrauen der Polizei eher oder voll und ganz, bei den Gerichten sind es 63 Prozent.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk erreicht 43 Prozent, das Parlament 42 Prozent und die Regierung 28 Prozent.

Die Untersuchung zeigt dabei deutliche Unterschiede je nach Parteipräferenz.

Knapp 7.000 vollständig ausgefüllte Fragebögen

Das Politikpanel Deutschland wird seit 2017 von den Politikwissenschaftlern Professor Uwe Wagschal und Privatdozent Dr. Sebastian Jäckle an der Universität Freiburg durchgeführt.

An der aktuellen Online-Befragung vom 23. Oktober bis zum 2. November 2026 nahmen 7.320 Personen teil. Davon füllten 6.949 den Fragebogen vollständig aus.

Die Ergebnisse wurden nach Alter, Geschlecht, Bundesland und Parteipräferenz gewichtet, um die Zusammensetzung der Bevölkerung besser abzubilden.

Da es sich um eine Online-Befragung handelt, sind die Ergebnisse dennoch mit methodischen Unsicherheiten verbunden. Insbesondere lassen sich aus der Erhebung keine tatsächlichen künftigen Koalitionsentscheidungen ableiten.

Bild: Jürgen Gocke, Universität Freiburg

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