SÜDBADEN & BADEN-WÜRTTEMBERG

IHK Südlicher Oberrhein sieht neue Exportchancen für Unternehmen in Kanada

Unternehmen am südlichen Oberrhein sollten ihre internationalen Absatzmärkte breiter aufstellen und sich weniger stark vom US-Geschäft abhängig machen. Das fordert die Industrie- und Handelskammer (IHK) Südlicher Oberrhein angesichts der anhaltenden Unsicherheiten in der amerikanischen Handelspolitik. Besonders Kanada bietet nach Einschätzung der IHK neue Chancen.

Anlass ist der EU-Kanada-Gipfel am 29. und 30. Oktober 2026 in Montreal. Die IHK hofft auf konkrete Vereinfachungen für Unternehmen, die ihre Waren nach Kanada exportieren oder dort neue Geschäftspartner gewinnen möchten.

Exporte in die USA unter dem Niveau von 2024

Die USA bleiben ein wichtiger Absatzmarkt für die Wirtschaft in Baden-Württemberg.

Von Januar bis August 2026 exportierten Unternehmen aus dem Land Waren im Wert von 21,3 Milliarden Euro in die Vereinigten Staaten. Das waren gut zwei Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2025, aber zehn Prozent weniger als 2024.

Nach Einschätzung der IHK erschweren insbesondere handelspolitische und zollbedingte Unsicherheiten die Planung.

„Unsere Unternehmen brauchen verlässliche Rahmenbedingungen und dürfen sich nicht zu stark von einzelnen Märkten abhängig machen“, erklärt IHK-Hauptgeschäftsführer Dieter Salomon.

Kanada-Geschäft wächst um knapp acht Prozent

Während die Exporte in die USA hinter dem Niveau von 2024 zurückliegen, entwickelt sich der Handel mit Kanada nach Angaben der IHK positiv.

In den ersten acht Monaten 2026 exportierte Baden-Württemberg Waren im Wert von rund 1,6 Milliarden Euro nach Kanada. Das entspricht einem Anstieg um knapp acht Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Besonders gefragt waren Fahrzeuge und Fahrzeugteile, Maschinen sowie pharmazeutische Produkte.

Weitere Möglichkeiten sieht die IHK bei kritischen Rohstoffen, Batterietechnologien, Wasserstoff, Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz.

Kanada könne den US-Markt nicht ersetzen, aber dazu beitragen, wirtschaftliche Risiken auf mehrere Absatzmärkte zu verteilen, betont Salomon.

IHK fordert weniger Bürokratie im Handel

Beim EU-Kanada-Gipfel stehen unter anderem der digitale Handel, wichtige Rohstoffe sowie die Zusammenarbeit bei neuen Technologien auf der Tagesordnung.

Eine Grundlage ist das Freihandelsabkommen CETA, das seit 2017 vorläufig angewendet wird und zahlreiche Zölle abgebaut hat.

Trotzdem erschweren unterschiedliche Vorschriften und Standards nach Einschätzung der IHK weiterhin den Handel.

Die Kammer fordert deshalb einfachere Marktzugänge, weniger Bürokratie und bessere Möglichkeiten zur Zusammenarbeit, insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen.

Unterstützung beim Einstieg in den kanadischen Markt bietet seit November 2025 auch die Wirtschaftsrepräsentanz Baden-Württembergs in Toronto. Sie wird von der Deutsch-Kanadischen Auslandshandelskammer betreut und unterstützt Unternehmen beim Markteintritt sowie bei Innovationspartnerschaften.

Konkrete neue Vereinbarungen oder Erleichterungen durch den aktuellen Gipfel stehen bislang nicht fest.

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