Freiburg soll dem weltweiten WHO-Netzwerk für altersfreundliche Städte vorerst nicht beitreten. Das empfiehlt die Stadtverwaltung dem Gemeinderat. Statt eine eigene Altersstrategie für die Mitgliedschaft zu entwickeln, sollen bestehende Konzepte genutzt und konkrete Verbesserungen für ältere Menschen priorisiert werden. Über den Vorschlag entscheidet der Gemeinderat am 20. Oktober.
Ausgangspunkt ist ein Antrag der Grünen und von Eine Stadt für alle vom März. Sie hatten einen Beitritt Freiburgs zum „Global Network for Age-friendly Cities and Communities“ der Weltgesundheitsorganisation vorgeschlagen. Das Netzwerk unterstützt Kommunen beim Austausch und bei der Entwicklung altersfreundlicher Strukturen.
Nach Angaben der Stadt gehören ihm mehr als 1.700 Kommunen weltweit an, davon zehn in Deutschland. In Baden-Württemberg sind Stuttgart und Heidelberg Mitglied. Ein Beitritt würde Freiburg unter anderem dazu verpflichten, eine eigene Altersstrategie mit Aktionsplan zu entwickeln, ältere Menschen zu beteiligen sowie personelle und finanzielle Ressourcen bereitzustellen.
Stadt sieht bereits viele Strukturen
Die Verwaltung hält eine zusätzliche Strategie derzeit nicht für notwendig. Sie verweist unter anderem auf Freiburgs Nachhaltigkeitsziele, den Aktionsplan Inklusion und die Sozialplanung für Ältere. Nach ihrer Einschätzung decken diese bereits wesentliche Anforderungen der WHO an eine altersfreundliche Kommune ab.
Eine umfangreiche Bestandsaufnahme listet bestehende Maßnahmen in acht Bereichen auf: öffentlicher Raum, Verkehr und Mobilität, Wohnen, soziale Teilhabe, soziale Inklusion, Engagement und Beschäftigung, Kommunikation sowie kommunale und gesundheitliche Dienstleistungen. Dazu gehören beispielsweise der barrierefreie Umbau von Haltestellen, Beratungsangebote zum Wohnen im Alter, Begegnungsstätten, die Freiburger Wohnungstauschbörse und Maßnahmen für mehr Barrierefreiheit im öffentlichen Raum.
Mehr Bänke, Trinkbrunnen und altersgerechter Wohnraum
Gleichzeitig sieht die Stadt weiteren Handlungsbedarf. Als mögliche Entwicklungsfelder nennt sie mehr zugehende Beratungs- und Begegnungsangebote in den Stadtteilen sowie Verbesserungen bei medizinischer Versorgung und Barrierefreiheit.
Beim Wohnen nennt die Verwaltung unter anderem mehr geförderten, barrierearmen und altersgerechten Wohnraum, Servicewohnen und zusätzliche Beratung zum altersgerechten Umbau.
Auch im öffentlichen Raum werden konkrete Möglichkeiten aufgeführt: mehr Trinkbrunnen, kühle Erholungsräume, barrierefreie öffentliche Toiletten, sichere und gut beleuchtete Fußwege, längere beziehungsweise stärker auf mobilitätseingeschränkte Menschen ausgerichtete Ampelschaltungen sowie mehr Sitzbänke in den Stadtteilen.
Keine zusätzlichen Strukturen geplant
Die Verwaltung argumentiert gegen den WHO-Beitritt vor allem mit dem zusätzlichen Aufwand. Eine eigenständige Altersstrategie und ein Aktionsplan würden neben den bestehenden Konzepten weitere Personalressourcen und ein eigenes Maßnahmenbudget erfordern. Eine passende Förderung stehe derzeit nicht zur Verfügung.
Stattdessen soll der Gemeinderat die Verwaltung beauftragen, die bereits identifizierten Entwicklungsfelder zu priorisieren und mit vorhandenen Ressourcen weiterzuentwickeln. Falls notwendig, sollen bestehende Aufgaben umgeschichtet oder anders priorisiert werden.
Damit würde Freiburg die Idee einer altersfreundlicheren Stadt weiterverfolgen, vorerst aber ohne Mitgliedschaft im WHO-Netzwerk. Die endgültige Entscheidung darüber liegt beim Gemeinderat.

