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Wahl in Reute: Diese zwei Männer wollen Bürgermeister werden

Nach rund 30 Jahren steht Reute vor einem Wechsel an der Spitze des Rathauses. Bürgermeister Michael Schlegel (Mitte im Bild) hört auf – bei der Bürgermeisterwahl am 25. Oktober 2026 bewerben sich Rafael Kuliberda (links im Bild) und Dr. Markus Degen (rechts im Bild) um seine Nachfolge. Bei der Kandidatenvorstellung präsentierten beide ihre Vorstellungen für Reutes Zukunft und stellten sich ausführlich den Fragen aus der Bevölkerung. Ein Video der Kandidatenvorstellung in voller Länge gibts auf YouTube.

Das Interesse war groß: Nach Angaben bei der Veranstaltung waren rund 550 Menschen gekommen, die Halle damit nahe an ihrer Kapazitätsgrenze. Eine Bürgermeisterwahl mit einer solchen Kandidatenvorstellung hat Reute seit knapp 30 Jahren nicht mehr erlebt.

Beide Bewerber verbindet dabei einiges: Sie sind in Reute aufgewachsen, betonen ihre Verbundenheit mit der Gemeinde und sehen angesichts großer anstehender Projekte nur begrenzten finanziellen Spielraum für zusätzliche Wünsche. Unterschiede gibt es vor allem bei ihrem beruflichen Hintergrund und den Erfahrungen, mit denen sie ins Rathaus einziehen wollen.

Rafael Kuliberda: Polizist und Gemeinderat

Rafael Kuliberda ist 29 Jahre alt und lebt nach eigenen Angaben seit seiner Geburt in Reute. Beruflich ist er seit acht Jahren bei der Polizei. Nach seiner Ausbildung zum Polizeimeister arbeitete er unter anderem im Streifendienst, bei der Autobahnfahndung und beim Verkehrsunfalldienst. Heute ist er Polizeihauptmeister beim Polizeirevier Emmendingen.

Kommunalpolitische Erfahrung bringt Kuliberda aus dem Reuter Gemeinderat mit, dem er seit knapp drei Jahren parteilos angehört. Zusätzlich studiert er im Fernstudium Rechtswissenschaften.

Sein vergleichsweise junges Alter bezeichnete Kuliberda bei der Vorstellung ausdrücklich als Vorteil. Seine Erfahrungen bei der Polizei hätten ihn zudem darin geschult, unter Druck Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen.

Inhaltlich stellte er unter anderem eine leistungsfähige Verwaltung, solide Gemeindefinanzen, Familien und Kinder, Wohnraum, das Ehrenamt sowie die örtlichen Unternehmen in den Mittelpunkt. Behördengänge möchte er vereinfachen und die Digitalisierung der Gemeinde voranbringen. Als Beispiel nannte er eine App, über die Informationen und Formulare der Gemeinde auf dem Smartphone verfügbar sein könnten.

Bei Investitionen will Kuliberda nach eigenen Angaben Notwendigkeit und Wirtschaftlichkeit prüfen. Pflichtaufgaben müssten im Zweifel Vorrang vor einzelnen Interessen erhalten.

Für Familien möchte er unter anderem eine bezahlbare und verlässliche Kinderbetreuung erhalten. Gleichzeitig sprach er sich für barrierefreie Wege und Gebäude sowie Wohnformen aus, die ein selbstbestimmtes Leben im Alter ermöglichen.

Auch Vereine und Ehrenamt spielen in seinem Programm eine zentrale Rolle. Veranstaltungen und Traditionen wie die Reuter Fasnet sollen seiner Vorstellung nach erhalten bleiben. Vereine möchte er dabei organisatorisch und finanziell unterstützen.

Bei der Entwicklung Reutes nannte Kuliberda außerdem vorhandene Gewerbeflächen, erneuerbare Energien, den öffentlichen Nahverkehr sowie Mobilitäts- und Lärmfragen. Landwirtschaft, Forst und Wasserwirtschaft will er ebenfalls in die weitere Entwicklung einbeziehen.

Dr. Markus Degen: Erfahrung mit Teams und großen Projekten

Dr. Markus Degen ist ebenfalls in Reute aufgewachsen. Nach seinem Studium in Freiburg zog er beruflich nach München. Vor vier Jahren kehrte er nach eigenen Angaben gemeinsam mit seiner Partnerin und den beiden Kindern bewusst nach Reute zurück.

Degen ist heute Professor für Informatik in Augsburg. In seiner beruflichen Laufbahn habe er große Projekte verantwortet und internationale Teams geführt. Bei der Kandidatenvorstellung schilderte er unter anderem, wie er ein Team in Paris nach dem Weggang wichtiger Mitarbeiter wieder aufgebaut und von zunächst rund zehn auf mehr als 40 Beschäftigte entwickelt habe.

Diese Führungserfahrung möchte er nach eigenen Worten ins Rathaus einbringen. Dazu gehören für ihn klare Abläufe, Vertrauen in Mitarbeiter und eine Verwaltung, in der Aufgaben nachvollziehbar organisiert und erledigt werden.

Degen verwies zudem auf seine Arbeit in Hochschulgremien sowie frühere Erfahrungen als Vorsitzender der Freien Jugend Presse Baden-Württemberg. Außerdem absolvierte er nach eigenen Angaben eine Ausbildung zum Rettungssanitäter.

Als zentrale Aufgaben für Reute nannte er unter anderem Hochwasserschutz, das geplante Feuerwehrhaus, die Entwicklung des Gewerbegebiets und die Kanalsanierung. Bei diesen großen Projekten müsse die Gemeinde nicht nur die Investitionen, sondern auch die späteren Betriebs- und Unterhaltskosten im Blick behalten.

Für seine ersten Monate im Amt kündigte Degen deshalb keine großen neuen Investitionsversprechen an. Zunächst wolle er laufende Projekte ordnen, sich einen Überblick verschaffen und gemeinsam mit Verwaltung und Gemeinderat Prioritäten setzen.

Auch die Digitalisierung des Rathauses ist für ihn ein Thema. Persönliche Ansprechpartner sollen nach seiner Vorstellung erhalten bleiben, interne Abläufe anschließend aber stärker digital organisiert werden.

Bei Vereinen und Traditionen sieht auch Degen die Gemeinde in einer unterstützenden Rolle. Bei der Reuter Fasnet könne das Rathaus beispielsweise bei Genehmigungen, Abstimmungen und organisatorischen Fragen helfen, ohne die eigentliche Arbeit des Ehrenamts zu übernehmen.

Viele gemeinsame Baustellen

In den Fragerunden wurden beide Kandidaten unter anderem mit der Zukunft der Ortsmitte, Glasfaserausbau, Feuerwehr und Rotem Kreuz, Gemeindefinanzen, Vereinen und anstehenden Infrastrukturprojekten konfrontiert.

Kuliberda kann sich bei der Ortsmitte einen stärkeren Treffpunkt für die Bevölkerung vorstellen. Beim Roten Kreuz brachte er eine mögliche räumliche Verbindung mit der Feuerwehr ins Gespräch, betonte aber, dass ihm keine konkreten Planungen bekannt seien.

Degen sieht beim geplanten Feuerwehrhaus ebenfalls die Möglichkeit, eine Unterbringung des Roten Kreuzes mitzudenken, verwies jedoch auf offene Finanzierungsfragen.

Beim Glasfaserausbau wollen beide das Thema weiterverfolgen. Kuliberda sagte, Unternehmen müssten auf den bestehenden Bedarf aufmerksam gemacht und die weiteren Möglichkeiten geklärt werden. Degen will zunächst bestehende Verträge prüfen und klären, welche Möglichkeiten die Gemeinde gegenüber den beteiligten Unternehmen besitzt.

Am Ende entscheiden die Wähler

Damit stehen bei der Bürgermeisterwahl zwei Kandidaten mit unterschiedlichen beruflichen Profilen zur Auswahl: Kuliberda verweist vor allem auf seine Erfahrungen als Polizist, Gemeinderat und sein juristisches Studium. Degen stellt seine Führungserfahrung aus größeren Projekten, internationalen Teams und seiner heutigen Tätigkeit als Professor in den Vordergrund.

Wer Michael Schlegel nach rund 30 Jahren im Bürgermeisteramt nachfolgt, entscheiden die Wahlberechtigten in Reute am Sonntag, 25. Oktober 2026.

Für einen Wahlsieg ist die absolute Mehrheit erforderlich. Sollte keiner der Bewerber diese erreichen, ist nach den bei der Kandidatenvorstellung erläuterten Wahlregeln für den 15. November eine Stichwahl vorgesehen.

Ein Video der Kandidatenvorstellung in voller Länge gibts auf YouTube.

Bild: Marcel Hiller, HILLER MEDIA

Transparenthinweis: HILLER MEDIA war beauftragt, die Kandidatenvorstellung in Reute aufzuzeichnen. Dieser Bericht ist aus einem kompletten Video-Text-Transkript der vorhandenen eigenen Aufzeichnung entstanden.

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