Weniger Fälle bedeuten nicht automatisch weniger Sozialausgaben: In mehreren wichtigen Bereichen rechnet Freiburg 2026 mit niedrigeren Fallzahlen als bei der Haushaltsplanung angenommen. Gleichzeitig steigen die Kosten pro Fall teilweise deutlich. Besonders bei der Hilfe zur Pflege erwartet die Stadt deshalb Mehrausgaben in Millionenhöhe.
Das geht aus dem aktuellen Bericht zur Fallzahlen- und Kostenentwicklung in der Sozialhilfe hervor, den der Gemeinderat am 20. Oktober zur Kenntnis nehmen soll. Grundlage der Prognosen ist der Stand Ende April 2026.
Besonders teuer wird die Hilfe zur Pflege
Bei der Hilfe zur Pflege hatte Freiburg mit durchschnittlich 1.336 Fällen im Monat gerechnet. Die Prognose liegt nur noch bei 1.228 Fällen. Trotzdem sollen die Bruttoaufwendungen statt der eingeplanten 28,47 Millionen Euro auf knapp 30,97 Millionen Euro steigen – rund 2,5 Millionen Euro mehr als vorgesehen.
Ein wesentlicher Grund sind die Fallkosten: Statt durchschnittlich 1.775,64 Euro im Monat erwartet die Stadt 2.101,45 Euro.
Nach Angaben der Verwaltung treiben Tarifabschlüsse sowie gestiegene Personal-, Sach-, Investitions- und Betriebskosten die Ausgaben. Hinzu kommen einzelne besonders kostenintensive Fälle. Im ambulanten Bereich verursachen Fälle mit jährlichen Aufwendungen von mehr als 100.000 Euro dem Bericht zufolge rund 56 Prozent der Kosten, obwohl sie nur etwa fünf Prozent der Fälle ausmachen.
Grundsicherung: Weniger Fälle als erwartet
Bei der Hilfe zum Lebensunterhalt geht die Stadt von durchschnittlich 823 statt 871 Fällen aus. Als Gründe nennt sie unter anderem einen geringeren Zuzug von Menschen aus der Ukraine und die Überprüfung bestehender Fälle durch ein Sonderteam. Trotz gestiegener Unterkunftskosten soll der Haushaltsansatz von rund 6,33 Millionen Euro eingehalten werden.
Auch bei der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung liegen die Fallzahlen mit prognostizierten 4.297 Fällen unter den geplanten 4.345. Die monatlichen Fallkosten steigen dagegen von eingeplanten 896,01 Euro auf voraussichtlich 906,02 Euro. Die Stadt geht dennoch davon aus, dass die vorgesehenen Mittel ausreichen. Die Nettoaufwendungen werden in diesem Bereich vollständig vom Bund erstattet.
Bürgergeld: Drei Millionen Euro weniger Ausgaben
Bei der Grundsicherung für Arbeitsuchende nach dem SGB II wurden für 2026 insgesamt 8.000 Bedarfsgemeinschaften eingeplant. Die Prognose liegt bei 7.668.
Dadurch rechnet Freiburg mit rund drei Millionen Euro weniger Aufwendungen als geplant. Gleichzeitig fallen allerdings auch die erwarteten Bundeserstattungen niedriger aus. Die Stadt erwartet hier rund 4,9 Millionen Euro weniger Erträge. Laut Vorlage entfallen davon 1,9 Millionen Euro auf die niedrigeren tatsächlichen Aufwendungen. Weitere zwei Millionen Euro waren als zusätzliche Bundeserstattung für Geflüchtete eingeplant, wurden aber nicht vom Bund veranlasst. Eine weitere Million Euro sei zu viel als Ertrag angesetzt worden.
Eingliederungshilfe kostet mehr pro Fall
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen. Statt durchschnittlich 2.388 Fällen prognostiziert die Stadt 2.305. Die monatlichen Fallkosten sollen jedoch von geplanten 2.930,49 Euro auf 2.999,86 Euro steigen.
Die Bruttoaufwendungen werden mit knapp 82,98 Millionen Euro zwar rund eine Million Euro unter dem Haushaltsansatz erwartet. Gegenüber dem Rechnungsergebnis 2025 entspricht das jedoch einem Anstieg um voraussichtlich rund 5,4 Millionen Euro.
Als Ursachen nennt die Stadt unter anderem neue Leistungs- und Vergütungsvereinbarungen sowie tarifliche Anpassungen. Im schulischen Bereich beobachtet die Verwaltung zudem steigende Ausgaben für Assistenzleistungen.
Stadt warnt vor weiter steigenden Sozialausgaben
Die Verwaltung bezeichnet die Sozialaufwendungen als einen der größten und am stärksten wachsenden Ausgabenblöcke des Freiburger Haushalts. Sie sieht insbesondere dann finanzielle Risiken für Kommunen, wenn Bund oder Land Leistungen verändern oder ausweiten, ohne die entstehenden kommunalen Kosten vollständig und dauerhaft zu finanzieren.
Der Bericht ist eine Informationsvorlage. Der Gemeinderat entscheidet am 20. Oktober nicht über neue Sozialleistungen oder Kürzungen, sondern nimmt die Entwicklung der Fallzahlen und Kosten zur Kenntnis.

