Für die Zukunft vom Hallenbad in Neuenburg zeichnet sich eine klare fachliche Richtung ab: Die jetzt vorliegende Machbarkeitsstudie empfiehlt, einen Ersatzneubau am bisherigen Standort weiterzuverfolgen. Eine Generalsanierung wäre zwar technisch möglich, kostet nach aktuellem Stand aber nahezu genauso viel und birgt größere Risiken. Am Montag, 28. September, beschäftigt sich der Gemeinderat mit den Ergebnissen und zunächst mit einem möglichen Weiterbetrieb des bestehenden Bads.
Die Größenordnung ist erheblich. Für eine Generalsanierung werden auf Preisbasis 2026 Gesamtkosten von rund 17 Millionen Euro netto angesetzt. Ein Ersatzneubau liegt bei rund 17,3 Millionen Euro netto. Bei einem frühestmöglichen Baubeginn 2028 rechnet die Studie unter Berücksichtigung von Preissteigerungen mit etwa 18,4 Millionen Euro für die Sanierung und 18,8 Millionen Euro für den Neubau. Damit liegen beide Varianten innerhalb der Prognoseunsicherheit praktisch in derselben Größenordnung.
Der Zustand vom 1974 eröffneten Hallenbad macht umfangreiche Arbeiten notwendig. Untersuchungen zeigen unter anderem Korrosionsschäden an der Stahlbetonkonstruktion, undichte Becken und Nassbereiche sowie erhebliche Defizite an Gebäudehülle und technischer Ausstattung. In untersuchten Bereichen wurden an der Bewehrung Querschnittsschwächungen von bis zu 50 bis 60 Prozent festgestellt. Für mehrere betroffene Stahlbetonbereiche gibt die Studie eine theoretische Restnutzungsdauer von null Jahren an.
Generalsanierung oder Ersatzneubau?
Eine Generalsanierung würde deshalb weit über einzelne Reparaturen hinausgehen. Tragwerk, Becken, Badewassertechnik, Heizung, Lüftung, Sanitär, Elektrotechnik, Gebäudehülle und große Teile vom Innenausbau müssten erneuert oder umfassend instandgesetzt werden. Hinzu kommen Schadstoffe wie asbesthaltige Materialien. Eine Sanierung in mehreren kleinen Schritten bewertet die Studie weder technisch noch wirtschaftlich als sinnvoll.
Der Ersatzneubau könnte dagegen gezielt als Schul-, Sport-, Lehrschwimm- und öffentliches Hallenbad geplant werden. Vorgesehen ist in der Studie unter anderem wieder ein 25-Meter-Becken mit fünf Bahnen. Als Vorteile nennt sie eine neue Tragstruktur, vollständige Barrierefreiheit, optimierte Technik und die Möglichkeit eines deutlich niedrigeren Energiebedarfs. Für einen Neubau wird mit einer Nutzungsdauer von etwa 45 Jahren gerechnet.
Wie kann es kurzfristig weitergehen?
Kurzfristig geht es allerdings darum, ob das Hallenbad überhaupt wieder öffnen kann. Zwei statische Untersuchungen hatten zuvor Probleme an tragenden Stützen festgestellt. Die Stadt schlägt dem Gemeinderat deshalb eine Tragwerksertüchtigung für rund 30.000 Euro sowie Verbesserungen in den Duschbereichen vor. Damit soll nach der Sitzungsvorlage ein Weiterbetrieb für etwa fünf Jahre ermöglicht werden. Die Kosten für die Arbeiten an den Duschen sollen bis zur Sitzung nachgereicht werden.
Die Sicherung ist ausdrücklich keine dauerhafte Sanierung. Auch die Machbarkeitsstudie trennt die vorübergehende Konstruktion von der langfristigen Entscheidung über Sanierung oder Neubau.
Für beide langfristigen Varianten wird derzeit mit mindestens zwei Jahren für Planung, Genehmigung und Förderverfahren sowie weiteren rund zwei Jahren Bauzeit gerechnet. Während der eigentlichen Generalsanierung beziehungsweise beim Rückbau und Ersatzneubau wäre das Hallenbad geschlossen.
Parallel hofft die Stadt auf Unterstützung vom Bund. Für das Programm „Sanierung kommunaler Sportstätten – Schwimmbäder“ wurde im Juni eine Interessenbekundung eingereicht. Eine Antwort wird nach Angaben der Stadt im Herbst oder Winter 2026 erwartet.
DLRG setzt sich für Zukunft vom Hallenbad ein
Das Thema bewegt Neuenburg bereits seit Monaten. Die DLRG Ortsgruppe Müllheim-Neuenburg und weitere Unterstützer haben mit der Kampagne „Rettet das Neuenburger Hallenbad“ mehr als 6.160 Unterschriften gesammelt. Vor der Gemeinderatssitzung am Montag ist ab 17.30 Uhr eine Menschenkette rund um den Veranstaltungsort angekündigt. Die Initiative bezeichnet die Aktion ausdrücklich als Unterstützung für den Gemeinderat und nicht als Protest.
Die endgültige Grundsatzentscheidung über die Zukunft vom Hallenbad fällt mit der Vorstellung der Machbarkeitsstudie noch nicht. Der Gemeinderat soll zunächst die Varianten Sanierung, Neubau und Tragwerksertüchtigung zur Kenntnis nehmen und über die Maßnahmen für einen befristeten Weiterbetrieb entscheiden. Die Studie empfiehlt für die weitere Planung allerdings ausdrücklich den Ersatzneubau als Vorzugsrichtung.







