Neuenburg am Rhein will seine Entwicklung in den kommenden Jahren an fünf zentralen Themen ausrichten. Ein neues gesamtstädtisches Entwicklungskonzept soll künftig als Grundlage für Entscheidungen zu Wohnen, Klimaanpassung, Wirtschaft, gesellschaftlichem Zusammenhalt und Sicherheit dienen. Der Gemeinderat soll das Konzept am Montag beschließen.
Dabei macht die Stadt deutlich, dass angesichts der angespannten Haushaltslage nicht eine Reihe neuer Großprojekte im Mittelpunkt steht. Das Konzept soll vielmehr festlegen, welche Ziele bei künftigen Entscheidungen besonders berücksichtigt werden. Es ist ein strategischer Rahmen und bedeutet nicht, dass die darin genannten Maßnahmen automatisch umgesetzt werden.
Fünf Leitthemen für die kommenden Jahre
Unter dem Leitthema „klimaresiliente Stadt“ geht es um den Umgang mit Hitze, Trockenheit und Starkregen sowie um mehr Begrünung, erneuerbare Energien und klimaangepasste Infrastruktur. Die „sorgende Stadt“ soll soziale Strukturen, öffentliche Räume und den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken.
Beim „zukunftsfähigen Wohnen“ stehen vielfältiger und bezahlbarer Wohnraum, Innenentwicklung und Stadterneuerung im Mittelpunkt. Als „produktive Stadt“ will Neuenburg Voraussetzungen für Arbeitsplätze, Wertschöpfung und eine widerstandsfähige lokale Wirtschaft sichern. Das fünfte Leitthema „sichere Stadt“ umfasst unter anderem sichere und barrierefreie Mobilität, den Schutz vor Naturgefahren und Extremwetter sowie kritische Infrastruktur und Versorgungsstrukturen.
Bürger setzen schnelles Internet weit nach oben
Dem Konzept ging ein Beteiligungsprozess mit Öffentlichkeit, Jugendlichen, Politik und Verwaltung voraus. Insgesamt wurden 24 Ziele bewertet. Besonders hohe Priorität erhielten eine flächendeckende Versorgung mit schnellem mobilem Internet, generationenübergreifendes Wohnen und Begegnen, eine bessere Vernetzung beim Ehrenamt sowie klimaneutrale Energie- und Wärmeerzeugung und mehr Grün an Straßen, Fassaden, Dächern und in Gärten.
Auch der Verkehr in den Ortskernen spielte eine große Rolle. Das Ziel, Durchgangsverkehr aus den Ortskernen herauszuhalten, erhielt im Beteiligungsprozess 16 zustimmende, allerdings auch elf ablehnende Punkte. Zu den weiteren höher gewichteten Themen gehören ein breiteres Angebot bei Handel und Dienstleistungen, Mehrgenerationenhausprojekte und eine sichere Stadt für Radfahrer.
Wenig Platz für neue Wohn- und Gewerbegebiete
Das Konzept beschreibt zugleich Grenzen der weiteren Entwicklung. Der Rhein im Westen und die Gemarkungsgrenze Richtung Müllheim im Osten begrenzen größere neue Siedlungsflächen. Deshalb soll die Innenentwicklung mit Nachverdichtung sowie Nach- und Umnutzung bestehender Flächen eine wichtige Rolle spielen. Größere Entwicklungsflächen sieht das Konzept derzeit vor allem an der Hans-Buck-Straße für Gewerbe und im Bereich Mittlere Rieße für Wohnungsbau.
Beim Wohnen sieht das Konzept insbesondere Bedarf an kleineren, barrierearmen und bezahlbaren Wohnungen. Ende 2024 gab es in Neuenburg 5.892 Wohnungen. Ein- und Zweiraumwohnungen machten zusammen lediglich rund zwölf Prozent des Bestands aus.
Auch die demografische Entwicklung fließt in die Planung ein. Nach der stadteigenen Statistik lebten im August 2026 insgesamt 12.976 Menschen in Neuenburg. Langfristig ist die Bevölkerung gewachsen, gleichzeitig nimmt der Anteil älterer Menschen zu. Das Konzept leitet daraus unter anderem einen wachsenden Bedarf an barrierefreiem Wohnraum, medizinischer Versorgung und sozialen Unterstützungsangeboten ab.
Das Stadtentwicklungskonzept soll künftig als Orientierungsrahmen dienen. Die Stadt betont, dass angesichts begrenzter finanzieller und personeller Ressourcen Prioritäten notwendig bleiben. Bei künftigen Entscheidungen soll geprüft werden, welchen Beitrag einzelne Maßnahmen zu den festgelegten Zielen leisten.
Bild: Wikipedia, Rauenstein, Neuenburg am Rhein, Rathausplatz, CC BY-SA 3.0







