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OFFENER BRIEF AN META / FACEBOOK / INSTAGRAM 
Meta Platforms Ireland Limited, Merrion Road, Dublin 4, D04 X2K5, Irland
Kopie an Abgeordnete aus der Region Südbaden und Medien

Wir fordern die Öffnung aller mit BreisgauLIVE verbundenen Kanäle, sowie die Aufhebung der Sperrungen und Einschränkungen gegenüber einem freien journalistischem Medium!


Facebook und Instagram sind für viele kleine und regionale Nachrichtenangebote längst wichtige Verbreitungswege. Doch was passiert, wenn Algorithmen plötzlich Accounts sperren, Reichweite begrenzen oder journalistische Angebote als vermeintliche Bots einstufen? BreisgauLIVE erlebt derzeit, wie abhängig insbesondere kleine Medien von Entscheidungen großer Plattformen sein können – und wie schwierig es ist, sich gegen offenbar automatisierte Maßnahmen zu wehren.

Und um es vorwegzunehmen: Eigentlich sollte kein Medium abhängig von Social Media sein, vor allen Dingen nicht von Plattformen, die scheinbar täglich ihre Ausrichtung und Regeln ändern. Aber gerade für den Anfang – uns gibt es seit fast zwei Jahren – ist Social Media ein wichtiger Schritt.

Für große Medienhäuser ist Facebook oder Instagram ein zusätzlicher Verbreitungskanal. Für kleinere, unabhängige und regionale Nachrichtenangebote können soziale Netzwerke dagegen von wesentlich größerer Bedeutung sein. Hier werden neue Leser erreicht, aktuelle Nachrichten verbreitet und Menschen auf ausführliche Berichte auf der eigenen Webseite aufmerksam gemacht.

Genau diese Abhängigkeit kann zum Problem werden, wenn eine Plattform plötzlich entscheidet, einen Account nicht mehr auszuspielen, einzuschränken oder vollständig zu deaktivieren.

BreisgauLIVE erlebt dies seit Ende Juli selbst.

Mehrere Instagram-Accounts plötzlich deaktiviert

Am 30. Juli wurden innerhalb kurzer Zeit mehrere miteinander verbundene Instagram-Accounts deaktiviert, darunter auch Vereine und Privat-Accounts. Betroffen war zudem unser journalistisches Angebot mit @breisgau.live.

Als Grund wurde ein schwerwiegender Verstoß gegen die Gemeinschaftsstandards im Zusammenhang mit der angeblichen Sexualisierung beziehungsweise sexuellen Ausbeutung von Kindern genannt.

Ein konkreter Beitrag, ein Foto, ein Video, eine Story oder eine andere konkrete Handlung, die diesen schwerwiegenden Vorwurf begründen soll, wurde BreisgauLIVE nach eigener Kenntnis jedoch nicht genannt.

BreisgauLIVE weist diesen Vorwurf ausdrücklich zurück!

Besonders problematisch ist dabei die fehlende Nachvollziehbarkeit: Wer nicht erfährt, welcher konkrete Inhalt zu einer Sanktion geführt haben soll, kann sich gegen den erhobenen Vorwurf kaum sachlich verteidigen.

Inzwischen wurde deshalb anwaltliche Hilfe eingeschaltet. Die Wiederherstellung der betroffenen Accounts wird gegenüber Meta verlangt.

Wenn auch Facebook die Reichweite einschränkt

Parallel dazu bestehen Einschränkungen bei Facebook. Für ein regionales Nachrichtenmedium können solche Maßnahmen erhebliche Folgen haben.

Denn Social Media bedeutet für ein Nachrichtenportal nicht lediglich Likes und Follower. Von Facebook und Instagram gelangen Leser auf die eigene Webseite. Dort werden journalistische Inhalte gelesen und über Werbung finanziert.

Nach den BreisgauLIVE vorliegenden eigenen Zugriffszahlen kamen am 30. Juli noch 3.068 Klicks von Facebook und 1.383 Klicks von Instagram auf die Webseite.

Am 31. Juli waren es von Facebook nur noch 1.096 Klicks, von Instagram lediglich ein Klick. Am 1. August kamen 1.770 Klicks von Facebook und zwei von Instagram. Tendenz zunehmen weiter sinkend.

Damit hat eine Entscheidung einer Social-Media-Plattform unmittelbare Auswirkungen darauf, wie viele Menschen ein unabhängiges Nachrichtenangebot überhaupt noch digital erreichen kann.

Für BreisgauLIVE bedeutet weniger Reichweite zugleich weniger Werbeeinnahmen. Für die nächsten Monate wird deshalb mit einem spürbaren Umsatzrückgang gerechnet.

Regionalisierung sollte das Angebot erweitern

Um die regionale Berichterstattung künftig noch gezielter auszuspielen, wurde das Angebot in den vergangenen Tagen erweitert.

Dafür entstanden eigenständige regionale Angebote:

FreiburgLIVE für Freiburg, Breisgau-Hochschwarzwald und das Markgräflerland,

EmmendingenLIVE für Emmendingen, Kaiserstuhl und Elztal,

LörrachLIVE für Lörrach, Dreiländereck und Wiesental,

WaldshutLIVE für Waldshut, Hochrhein und Hochschwarzwald sowie

OrtenauLIVE für Offenburg, Ortenau und Mittelbaden.

Die Idee dahinter ist einfach: Nicht jede kleinere Meldung aus Waldshut interessiert zwangsläufig Menschen in Freiburg. Eine Straßensperrung, ein Feuerwehreinsatz oder eine kommunale Entscheidung kann für einen einzelnen Landkreis sehr relevant sein, ohne dass sie in ganz Südbaden verbreitet werden muss.

Die Regionalisierung soll deshalb gerade mehr lokale Berichterstattung ermöglichen.

Facebook hält neue Accounts offenbar für Bots

Doch auch dieser Aufbau stößt inzwischen auf Probleme.

Die neu eingerichteten Facebook-Präsenzen wurden nach ihrer Einrichtung gesperrt beziehungsweise eingeschränkt. Als Grund wird dabei der Verdacht auf automatisiertes beziehungsweise Bot-Verhalten genannt.

Nach Angaben von BreisgauLIVE wurden die betreffenden Handlungen jedoch persönlich und manuell vorgenommen.

Dass innerhalb kurzer Zeit mehrere Seiten eingerichtet und administriert wurden, hat einen nachvollziehbaren journalistischen Hintergrund: Es entsteht ein regional gegliedertes Nachrichtennetzwerk.

Genau hier zeigt sich ein grundsätzliches Problem automatisierter Plattformkontrollen. Ein Verhalten kann für einen Algorithmus ungewöhnlich aussehen und gleichzeitig für einen Menschen einen vollkommen nachvollziehbaren Grund haben.

Mehrere regionale Nachrichtenseiten anzulegen ist für ein wachsendes Medienangebot kein ungewöhnlicher Vorgang. Werden solche Aktivitäten automatisiert als verdächtig klassifiziert, kann ausgerechnet der Aufbau regionaler journalistischer Strukturen erschwert werden.

Wenn der Algorithmus zum Gatekeeper wird

Das Problem reicht deshalb über BreisgauLIVE hinaus.

Facebook und Instagram entscheiden heute mit darüber, welche journalistischen Inhalte Menschen erreichen. Dabei geht es nicht darum, dass Plattformen rechtswidrige oder tatsächlich gefährliche Inhalte dulden müssten. Selbstverständlich müssen soziale Netzwerke gegen Missbrauch vorgehen können.

Problematisch wird es dort, wo weitreichende Entscheidungen automatisiert getroffen werden und Betroffene anschließend kaum nachvollziehen können, warum sie getroffen wurden.

Gerade eine vollständige Kontosperrung kann für Selbstständige, kleinere Unternehmen, Vereine, Kulturschaffende, Influencer – und eben auch Journalisten – erhebliche Auswirkungen haben.

Bei einem regionalen Nachrichtenmedium kommt ein weiterer Aspekt hinzu: Wird dessen Reichweite eingeschränkt, betrifft dies nicht nur den Betreiber. Auch die Verbreitung lokaler Informationen wird eingeschränkt.

Der Digital Services Act soll Nutzer schützen

Dabei hat die Europäische Union inzwischen Regeln geschaffen, die Plattformentscheidungen transparenter und überprüfbarer machen sollen.

Der Digital Services Act sieht unter anderem Begründungspflichten bei bestimmten Einschränkungen vor. Die europäische DSA-Transparenzdatenbank unterscheidet ausdrücklich zwischen Einschränkungen der Sichtbarkeit, monetären Einschränkungen, Einschränkungen von Diensten und Account-Maßnahmen.

Nutzer sollen also nachvollziehen können, warum eine Plattform eine weitreichende Moderationsentscheidung getroffen hat und welche Möglichkeiten bestehen, dagegen vorzugehen.

Wie wichtig funktionierende Beschwerdemöglichkeiten sind, zeigt auch ein laufendes Verfahren der Europäischen Kommission laut Deutschlandfunk: Sie kam 2025 vorläufig zu dem Ergebnis, dass die Beschwerdemechanismen von Facebook und Instagram gegen Moderationsentscheidungen möglicherweise nicht den Anforderungen des DSA entsprechen. Kritisiert wurde insbesondere, dass Nutzer ihre Einwände und unterstützende Belege nicht ausreichend vorbringen könnten.

Eine endgültige Entscheidung über diese Vorwürfe war damit allerdings noch nicht verbunden.

Kleine Medien trifft eine Sperre besonders hart

Ein großes Medienunternehmen verfügt über zahlreiche Möglichkeiten, seine Leser zu erreichen: Apps, Newsletter, Suchmaschinen, Printprodukte, große Direktzugriffszahlen und verschiedene Social-Media-Plattformen.

Ein junges regionales Nachrichtenangebot muss sich diese Strukturen erst aufbauen.

Social Media ermöglicht es solchen Angeboten überhaupt erst, innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit eine relevante Öffentlichkeit zu erreichen. Genau deshalb kann der Verlust eines über Monate oder Jahre aufgebauten Accounts besonders schwer wiegen.

Follower lassen sich nicht einfach auf eine andere Plattform übertragen. Eine aufgebaute Community kann nicht per Knopfdruck umziehen.

Und ein neuer Account beginnt im Zweifel wieder bei null – und auch diesen Schritt haben wir uns gewagt.

Journalismus darf nicht von einer Blackbox abhängig sein

BreisgauLIVE verlangt keine Sonderbehandlung für journalistische Accounts. Auch Medien müssen sich selbstverständlich an Regeln halten.

Was aber erwartet werden kann, sind nachvollziehbare Entscheidungen, konkrete Begründungen und eine tatsächlich funktionierende Möglichkeit, Fehler korrigieren zu lassen.

Wenn ein Account einen schweren Regelverstoß begangen haben soll, muss für den Betroffenen nachvollziehbar sein, worin dieser bestanden haben soll.

Wenn ein Mensch mehrere regionale Facebook-Seiten persönlich einrichtet, sollte es eine funktionierende Möglichkeit geben, einen irrtümlichen Bot-Verdacht aufzuklären.

Und wenn automatisierte Systeme Entscheidungen treffen, die die wirtschaftliche Grundlage eines kleinen journalistischen Angebots beeinträchtigen können, braucht es erreichbare Menschen, die solche Entscheidungen tatsächlich überprüfen können.

Denn am Ende geht es um mehr als einen Instagram-Account – es geht um unabhängigen Journalismus. Und dieser darf aus unserer Sicht über jeden möglichen digitalen Weg stattfinden.

Es geht um die Frage, wie viel Macht einige wenige Plattformen darüber haben dürfen, welche regionalen Nachrichten ihre Leser dann überhaupt noch erreichen.

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