BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD

Titisee-Neustadt: Planung von Mountainbike-Trailcenter soll fortgesetzt werden

Das Mountainbike-Trailcenter am Hochfirst bei Titisee-Neustadt ist wieder im Rennen. Nachdem die Stadtverwaltung im Juli noch empfohlen hatte, das Millionenprojekt wegen der hohen Eigen- und Folgekosten zu stoppen, schlägt sie dem Gemeinderat jetzt die Fortführung der Planung vor. Dafür sollen zunächst bis zu 80.000 Euro bereitgestellt werden. Über den Bau selbst wird noch nicht entschieden.

Der Gemeinderat berät darüber am Dienstag, 29. September. Mit dem neuen Beschluss sollen zunächst der Landschaftspflegerische Begleitplan, die spezielle artenschutzrechtliche Prüfung sowie die Ausführungsplanung für zwei Bauphasen abgeschlossen und die Bauvergabe vorbereitet werden.

Damit hat sich die Bewertung vom Projekt innerhalb weniger Monate deutlich verändert. Im Juli hatte die Verwaltung noch einen kommunalen Eigenanteil von rund 1,07 Millionen Euro und langfristige Unterhaltskosten von etwa 110.000 Euro jährlich als wesentliche Gründe gegen die Umsetzung genannt.

Kostenrisiken bleiben bestehen

Diese Risiken sind auch in der neuen Vorlage nicht verschwunden. Die rund 1,07 Millionen Euro bezeichnet die Verwaltung weiterhin als konservativen kommunalen Gesamtrahmen einschließlich zusätzlicher Risikopositionen.

Eine aktualisierte Kostenfortschreibung kommt derzeit auf rund 2,23 Millionen Euro für Planung und beide Bauphasen. Bei einer angenommenen Förderung von 65 Prozent würden davon rechnerisch rund 781.000 Euro bei der Stadt verbleiben. Zusätzliche Kosten für unvorhergesehene Risiken und mögliche Naturschutzmaßnahmen sind in dieser Summe allerdings noch nicht abschließend berücksichtigt.

Genau deshalb soll zunächst weitergeplant werden. Nach Abschluss der Fach- und Ausführungsplanung müsste der Gemeinderat erneut entscheiden, ob das Trailcenter tatsächlich gebaut wird.

Bis zu 80.000 Euro für weitere Planung

Der jetzt anstehende Planungsschritt kostet rund 79.300 Euro. Wird das Trailcenter später umgesetzt und können die Planungskosten wie angenommen gefördert werden, würde der städtische Anteil daran bei rund 28.000 Euro liegen.

Wird das Projekt anschließend doch gestoppt, könnte die Förderung nach aktuellem Stand nicht beansprucht werden. Dann würden die gesamten rund 80.000 Euro bei der Stadt verbleiben. Dieses Risiko bezeichnet die Verwaltung als vertretbar.

Auch beim späteren Unterhalt gibt es eine neue Betrachtung. Der bisher angesetzte Vollkostenwert von rund 110.000 Euro pro Jahr bleibt als konservative Risikogröße bestehen. Durch eine regionale Organisation mit Gemeinden, Hochschwarzwald Tourismus GmbH und einem geplanten Förderverein hält die Verwaltung inzwischen aber eine tatsächliche Belastung von etwa 50.000 bis 70.000 Euro jährlich für Titisee-Neustadt für möglich. Diese Größenordnung ist bislang nicht verbindlich abgesichert und soll vor einem möglichen Baubeschluss konkret belegt werden.

22,7 Kilometer Trails am Hochfirst

An den grundlegenden Plänen hat sich wenig geändert. Vorgesehen ist ein rund 22,7 Kilometer langes Netz aus fünf Trails zwischen Bahnhof Neustadt, Hochfirstturm, Hochfirstschanze und den umliegenden Waldflächen.

Geplant sind zwei Strecken ausschließlich für die Bergauffahrt und drei Abfahrtstrails mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Ein zentraler Trail-Hub soll als Verteiler dienen. Der Hochfirst ist als Area 11 Bestandteil vom Mountainbike-Masterplan Hochschwarzwald.

Weiterhin offen sind unter anderem naturschutzrechtliche Fragen. Teile der geplanten Strecken liegen in sensiblen Bereichen im Zusammenhang mit dem Auerhuhn und dem Bodenschutzwald. Trassenänderungen oder zeitweise Sperrungen sind je nach Ergebnis der weiteren Untersuchungen möglich.

Verwaltung betont wirtschaftliche Chancen

Deutlich stärker als noch im Juli stellt die neue Vorlage die touristischen und wirtschaftlichen Chancen heraus. Die bisherigen Planungen gehen von rund 40.000 zusätzlichen Mountainbike-Nutzungen im Jahr aus. Diese Zahl ist eine Prognose und keine garantierte Besucherzahl.

Aus den Annahmen leitet die Verwaltung einen möglichen zusätzlichen touristischen Umsatz von 1,5 bis 2,5 Millionen Euro jährlich ab. Mögliche direkte und indirekte Rückflüsse für die Kommune werden mit 105.000 bis 250.000 Euro pro Jahr angegeben. Auch diese Zahlen bezeichnet die Verwaltung ausdrücklich nicht als gesicherte Haushaltseinnahmen.

Nach der neuen Bewertung soll das Trailcenter vor allem den Ganzjahrestourismus stärken, zusätzliche Nachfrage für Beherbergung, Gastronomie, Einzelhandel und Fahrradbetriebe schaffen und die Mountainbike-Nutzung im Stadtwald stärker lenken.

Ob daraus tatsächlich gebaut wird, bleibt offen. Mit der Entscheidung am Dienstag würde der Gemeinderat lediglich die weitere Planung freigeben. Erst danach soll auf Grundlage der genaueren Kosten, Naturschutzauflagen, Förderung und Folgekosten über die Umsetzung entschieden werden.

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