In Herbolzheim hat sich beim Bürgerentscheid über das historische Schindlerhaus eine Mehrheit gegen die Aufhebung der bisherigen Neubaupläne ausgesprochen. Trotzdem ist die Abstimmung vom Sonntag, 25. Oktober 2026, nicht bindend. Das erforderliche Quorum wurde nicht erreicht. Deshalb muss sich der Gemeinderat am 5. November erneut mit dem Thema befassen.
Nach dem amtlichen Endergebnis stimmten 1.575 Menschen mit Nein. Das entspricht 55,32 Prozent. Für ein Ja und damit gegen den bisherigen Verkaufs- und Abrissbeschluss votierten 1.272 Menschen, also 44,66 Prozent.
Insgesamt wurden 2.847 Stimmen abgegeben. Die Wahlbeteiligung lag bei 33,99 Prozent.
Warum der Bürgerentscheid nicht bindend ist
Die Abstimmungsfrage bezog sich auf einen Beschluss des Gemeinderats vom 23. April 2026. Dieser bildet die Grundlage für den geplanten Verkauf und Abriss des Schindlerhauses in der Friedrichstraße 32.
Mit einem Ja konnten die Abstimmenden die Aufhebung dieses Beschlusses unterstützen. Ein Nein bedeutete, dass der bisherige Beschluss bestehen bleiben soll.
Damit ein Ja rechtlich bindend gewesen wäre, hätten mindestens 20 Prozent aller Stimmberechtigten dafür stimmen müssen. Das entsprach in Herbolzheim 1.682 Stimmen.
Tatsächlich erhielt die Ja-Seite nur 1.272 Stimmen und verfehlte das Quorum damit um 410 Stimmen. Auch die erforderliche Mehrheit der gültigen Stimmen wurde nicht erreicht.
Die Abstimmung führt deshalb zu keiner bindenden Aufhebung des Gemeinderatsbeschlusses.
Gemeinderat berät am 5. November erneut
Wie es mit dem Schindlerhaus weitergeht, wird nun erneut im Gemeinderat beraten. Die nächste Sitzung ist für Donnerstag, 5. November 2026, vorgesehen.
Bürgermeister Thomas Gedemer bedauert, dass das Quorum nicht erreicht wurde und damit keine verbindliche Klärung durch den Bürgerentscheid zustande gekommen ist.
Die Mehrheit der abgegebenen Stimmen sprach sich zwar gegen die Aufhebung des bisherigen Beschlusses aus. Eine abschließende Entscheidung über das weitere Vorgehen steht damit aber noch aus.
Neubau mit Wohnungen, DRK-Räumen und Arztpraxis geplant
Der bisherige Gemeinderatsbeschluss sieht vor, das 1909 errichtete Schindlerhaus abzureißen und das Grundstück für ein neues Bauprojekt zu nutzen.
Das Konzept der Rendler Bau GmbH umfasst nach den bisherigen Planungen 25 bis 30 Wohnungen. Außerdem sollen neue Räume für den DRK-Ortsverein, eine barrierefrei erreichbare Arztpraxis und ein Mehrzweckraum entstehen.
Die Stadt hatte das Projekt unter anderem damit begründet, dass der DRK-Ortsverein seit Jahren provisorisch untergebracht ist und eine dauerhafte Lösung benötigt.
Aus dem vorgesehenen Grundstücksverkauf erwartet die Stadt Einnahmen von rund 916.000 Euro.
Bürgerinitiative setzte sich für den Erhalt ein
Die Bürgerinitiative „Erhaltung Stadtbild Herbolzheim“ hatte für den Erhalt des historischen Gebäudes geworben.
Das Schindlerhaus stammt aus dem Jahr 1909 und ist eine Station des Herbolzheimer Tabakwegs. Es steht nicht unter Denkmalschutz, wird vom Landesamt für Denkmalpflege aber als erhaltenswert eingeschätzt.
Die Initiative hatte ein Alternativkonzept vorgestellt, bei dem das Gebäude saniert und weiterhin für Wohnungen genutzt werden sollte. Auch auf den umliegenden Flächen sollten nach ihren Vorstellungen neue Wohnungen sowie Räume für das DRK und eine Arztpraxis möglich sein.
Die technische und wirtschaftliche Umsetzbarkeit dieses Konzepts war vor der Abstimmung nicht abschließend geklärt.
Wie geht es jetzt weiter?
Nach dem Bürgerentscheid steht zunächst die erneute Beratung im Gemeinderat am 5. November an. Dabei muss das Gremium über das weitere Vorgehen beim Schindlerhaus entscheiden.
Ob und wann der geplante Verkauf, ein möglicher Abriss und die Neubebauung umgesetzt werden, ist damit noch offen.

