Sechs Bilder aus Südbaden haben es bis nach China geschafft: Die Künstlerin Susanne Kraft aus Sexau stellt ihre Trachtenporträts derzeit in der Millionenmetropole Chongqing aus. Vier ihrer Werke zeigen Gutacher Trachten, zwei weitere Markgräfler Trachten. Vom 16. Oktober bis zum 27. November 2026 sind die Bilder Teil einer internationalen Gruppenausstellung im Art Center und Museum in Chongqing.
Für die 61-Jährige, die aktuell in Denzlingen wohnt, ist es ein besonderer Moment ihrer künstlerischen Laufbahn. Ihre Bilder, die zuvor in ihrem Wohnzimmer hingen, werden nun Tausende Kilometer entfernt einem internationalen Publikum präsentiert.

Ein roter Bollenhut als Botschafter des Schwarzwalds
Besondere Aufmerksamkeit erhielt eines ihrer Werke: das Porträt einer Frau mit rotem Bollenhut.
Das Bild wurde nach Angaben der Künstlerin für die Eröffnung im Fuling Cultural Center ausgewählt und dort zwei Wochen lang gezeigt. Inzwischen gehört es wieder zur Präsentation der sechs Trachtenporträts im Art Center und Museum.
Kraft verbindet in ihren Acrylbildern traditionelle Trachten mit kräftigen Farben und ihrem eigenen künstlerischen Stil. Die Figuren stehen vor leuchtenden Hintergründen in Gelb-, Orange- und Grüntönen.
Ihr Anliegen geht dabei über die reine Darstellung historischer Kleidung hinaus.
„Alleine, dass mein Bild da war und Menschen begeistert, finde ich ein Weitertragen der Kultur“, sagt die Künstlerin im Gespräch mit BreisgauLIVE.
Sie möchte die Traditionen ihrer Heimat nicht nur dokumentieren, sondern sie mit einer zeitgemäßen Bildsprache in die Zukunft tragen.
„Unsere Kultur ist die Basis des Seins“, erklärt Kraft. Wer die eigenen Wurzeln vergesse, verliere einen wichtigen Teil seiner Orientierung.
Eine Instagram-Anzeige brachte die Bilder nach China
Dass ihre Werke heute in Chongqing hängen, begann mit einem Zufall.
Die sechs Trachtenbilder waren nach und nach entstanden und hingen zunächst bei Kraft zu Hause. Eines Tages entdeckte sie auf Instagram einen Aufruf für eine Kunstausstellung in China.
Die Hamburger Pashmin Art Gallery suchte Werke für eine internationale Gruppenausstellung.
„Aus einer Bierlaune heraus“ habe sie sich darauf gemeldet, erzählt Kraft. Sie schickte eine Bewerbung ab – und erhielt bereits am nächsten Tag einen Anruf des Galeristen.
Im Gespräch berichtete sie von ihrer bisherigen künstlerischen Laufbahn. Dazu gehören Ausstellungen in Cannes und Paris im Jahr 1993 sowie eine Collage, die sie 1996 für Papst Johannes Paul II. angefertigt hatte.
Der Galerist zeigte Interesse und ermöglichte ihr die Teilnahme an einem Auswahlverfahren.
Kraft reichte ihre Schwarzwaldserie ein. Nach einer weiteren Auswahlrunde wurden die Werke verschiedenen Ausstellungshäusern in China vorgestellt.
Schließlich entschied sich ein Gremium für ihre sechs Trachtenporträts.

Zum ersten Mal mussten ihre Bilder zertifiziert werden
Mit der Zusage begann für die Künstlerin eine ungewohnte organisatorische Arbeit.
Erstmals musste sie ihre Werke für eine internationale Ausstellung zertifizieren lassen. Hinzu kamen spezielle Verpackungen, Siegel und der Versand. Die Transportkosten übernahm Kraft selbst.
Zunächst gingen ihre Bilder nach Hamburg. Dort wurden die Kunstwerke der teilnehmenden Künstler gesammelt und anschließend nach China verschickt.
Für Kraft war das nicht einfach. Normalerweise bringt sie ihre Werke persönlich zu Ausstellungen. Dieses Mal musste sie sie verpacken und aus der Hand geben.
„Das sind wie Kinder, die weggehen von einem“, beschreibt sie das Gefühl.
In jedem Bild stecke viel Zeit und Herzblut. Bevor sie mit dem Malen beginnt, beschäftigt sie sich intensiv mit der Geschichte der jeweiligen Tracht.
Ein Porträt dauert nach ihren Angaben mindestens zwei bis drei Wochen. An manchen Bildern arbeitet sie sogar mehrere Monate.
Die Reise nach China blieb ihr selbst verwehrt
So gerne Susanne Kraft ihre Ausstellung persönlich besucht hätte: Aus gesundheitlichen Gründen konnte sie nicht nach China reisen. Die Präsentation ihrer Werke verfolgte sie deshalb aus der Ferne.
Fotos des Galeristen zeigen ihr, wie die Bilder in Chongqing ausgestellt werden. „Das erfüllt einen mit Stolz, dass die Kunst in China gezeigt wird“, sagt sie.
Die Ausstellung sei nicht nur ein wichtiger Eintrag in ihrer künstlerischen Biografie. Sie freue sich besonders darüber, dass Menschen auf einem anderen Kontinent mit der Kultur des Schwarzwalds in Berührung kommen.
Eigentlich sollten die Bilder ins Gutacher Rathaus
Vor der China-Ausstellung hatte Kraft bereits mit Gutachs Bürgermeister Siegfried Eckert über ihre Trachtenbilder gesprochen.
Die Werke sollten ursprünglich als Leihgabe in seinem Büro hängen.
Dann musste sie ihm mitteilen, dass daraus vorerst nichts wird: Die Bilder waren für China ausgewählt worden.
Nach Krafts Schilderung freute sich der Bürgermeister über die internationale Präsentation.
Gemeinsam mit ihm würde sie die Geschichte ihrer Bilder gerne auch in der SWR-Landesschau vorstellen. Konkrete Pläne für einen solchen Fernsehbeitrag gibt es nach ihren Angaben bislang nicht.
Von Trachten zu alten Handwerksberufen
Nach der Schwarzwaldserie widmet sich Kraft bereits einem neuen Thema.
Sie arbeitet an Bildern über traditionelle Handwerksberufe, die heute teilweise kaum noch bekannt sind.
Dazu zählen Besenbinder, Rechenmacher, Korbmacher und Gießer. Weitere Motive sollen unter anderem Holzrücker, Schmiede und Schuhmacher zeigen.
Auch dabei möchte sie Geschichte und Tradition künstlerisch bewahren.
Eine mögliche Ausstellung im kommenden Jahr könnte nach ihren Vorstellungen im Umfeld der Vogtsbauernhöfe stattfinden. Fest vereinbart ist diese Präsentation noch nicht.
Viertes Kinderbuch für 2027 geplant
Neben der Malerei schreibt und gestaltet Susanne Kraft Kinderbücher. Ihre Reihe „Kuckucks Mädel Bärbel“ umfasst bisher drei veröffentlichte Bände:
2018 erschien „Die Kuckucks-Uhr“, 2019 folgte „Nur mit Freunden lernt man Fliegen“ und 2020 „Müllalarm im Wald“. Für März 2027 ist der vierte Band mit dem Titel „Das Geheimnis der Sonnenplatten“ vorgesehen.
Krafts Wunsch ist es, das Buch rechtzeitig zur Leipziger Buchmesse fertigzustellen. Sollte die Veröffentlichung bis dahin gelingen, könnte es über den Medu-Verlag auf der Messe vertreten sein.
Die Heimat bleibt Mittelpunkt ihrer Kunst
Susanne Kraft wurde in Freiburg geboren, ging in Sexau zur Schule, lebt heute in Denzlingen und fühlt sich weiterhin eng mit Sexau verbunden. Dort steht ihr Elternhaus, und dort liegen nach ihren Worten ihre Wurzeln.
Ihre künstlerische Laufbahn reicht mehrere Jahrzehnte zurück. Schon in den 1970er-Jahren erhielt sie erste Aufträge. Später stellte sie unter anderem in der Region, in Frankreich und nun auch in China aus.
Beruflich arbeitet sie derzeit am Empfang eines Instituts in Freiburg. Die Kunst begleitet sie neben ihrem Arbeitsalltag weiter.
Mit ihren Trachtenporträts in Chongqing ist für Kraft ein großer Wunsch Wirklichkeit geworden: Ihre Bilder zeigen nicht nur Menschen in traditioneller Kleidung, sondern tragen ein Stück südbadische Kultur weit über die Region hinaus.
Bild: Marcel Hiller, BreisgauLIVE vor Ort

