Rund 200 Beschäftigte der Sick AG haben am Donnerstag, 5. November, am Standort Reute die Arbeit niedergelegt. Mit dem Warnstreik wollen sie in der laufenden Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie mehr Geld und verbindliche Zusagen zur Sicherung ihrer Arbeitsplätze durchsetzen. Hintergrund sind auch Sorgen über den Stellenabbau im Unternehmen.
Der Arbeitskampf ist Teil einer größeren Warnstreikwelle in Südbaden. Nach Angaben der IG Metall beteiligten sich in den Regionen Freiburg und Lörrach bislang 1.555 Beschäftigte aus 27 Betrieben an Warnstreiks. Insgesamt fanden dort 16 Kundgebungen statt.
Stellenabbau bei Sick sorgt für Verunsicherung
Bei der Kundgebung in Reute ging es nicht nur um höhere Löhne, sondern auch um die Zukunft des Standorts.
Anke Gollnow, Sprecherin der IG-Metall-Vertrauensleute bei Sick, berichtete von einer veränderten Stimmung unter den Beschäftigten.
Früher habe das Unternehmen für Wertschätzung und Verlässlichkeit gestanden. Der Stellenabbau der vergangenen Monate habe dieses Vertrauen erschüttert.
„Wir haben Kolleginnen und Kollegen verloren, die jahrelang an unserer Seite standen – Menschen mit viel Wissen und wertvollen Fähigkeiten“, sagte Gollnow.
Johannes Herrmann, stellvertretender Sprecher der Vertrauensleute, verwies auf die gut ausgebildeten Fachkräfte, das langjährige Erfahrungswissen und die enge Zusammenarbeit zwischen Entwicklung und Produktion.
IG Metall fordert fünf Prozent mehr Geld
Die Gewerkschaft verlangt für die rund 900.000 Beschäftigten der baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie fünf Prozent mehr Entgelt bei einer Laufzeit von zwölf Monaten.
Darüber hinaus fordert sie verbindliche Vereinbarungen zur Beschäftigungssicherung, beispielsweise durch Investitionen in Standorte und neue Produkte.
Norbert Göbelsmann, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Freiburg und Lörrach, kritisierte die Arbeitgeberposition.
„20 Monate ohne Entgelterhöhung und dann 1,3 Prozent, das ist kein Angebot, mit dem man Sicherheit schafft“, erklärte Göbelsmann.
Aus Sicht der Gewerkschaft reichen Kostensenkungen und Stellenabbau nicht aus, um die Unternehmen langfristig wettbewerbsfähig zu halten. Stattdessen brauche es Innovationen und Investitionen.
Bereits 72.000 Beschäftigte landesweit im Warnstreik
Nach Angaben der IG Metall beteiligten sich seit Wochenbeginn bis Donnerstag um 14 Uhr landesweit rund 72.000 Beschäftigte an Warnstreiks.
Allein im Zuständigkeitsbereich der IG Metall Freiburg und Lörrach waren es bislang 1.555 Beschäftigte aus 27 Betrieben. Das Gebiet umfasst ungefähr die Stadt Freiburg sowie die Landkreise Breisgau-Hochschwarzwald, Emmendingen, Lörrach und Waldshut.
Die Gewerkschaft schließt eine weitere Verschärfung des Arbeitskampfs nicht aus. Göbelsmann erklärte, man sei bei ausbleibender Einigung auch zu ganztägigen Warnstreiks und gegebenenfalls zu einer Urabstimmung über unbefristete Streiks bereit.
Weitere Warnstreiks in Südbaden angekündigt
Für Donnerstagabend, 5. November, ist von 21.30 bis 22.30 Uhr ein weiterer Warnstreik bei den Aluminiumwerken Wutöschingen angekündigt.
Auch in anderen südbadischen Betrieben sind weitere Arbeitsniederlegungen vorgesehen.
Bild: IG Metall Freiburg

