SÜDBADEN & BADEN-WÜRTTEMBERG

Schramberg: Ortsumfahrung wird vorerst nicht gebaut – Kosten steigen auf bis zu 302 Millionen Euro

Die geplante Ortsumfahrung von Schramberg im Kreis Rottweil liegt vorerst auf Eis. Das Regierungspräsidium Freiburg wird die Planung für das Straßenbauprojekt an der Bundesstraße B462 bis auf Weiteres nicht fortführen. Der Grund: Die Kosten sind deutlich gestiegen, während die erwartete Verkehrsentlastung geringer ausfällt als ursprünglich angenommen.

Je nach geplanter Streckenführung würde die Ortsumfahrung inzwischen zwischen 206 und 302 Millionen Euro kosten. Das Projekt gilt deshalb nach einer aktuellen Bewertung als nicht mehr wirtschaftlich.

Das Regierungspräsidium hat Schrambergs Oberbürgermeisterin Dorothee Eisenlohr und Landrat Christoph Keckeisen über die Entscheidung informiert.

Kosten deutlich höher als ursprünglich erwartet

Die neue Kostenschätzung liegt erheblich über früheren Berechnungen.

Im Jahr 2019 war auf Grundlage einer Planung aus dem Jahr 2007 noch von rund 158 Millionen Euro ausgegangen worden.

Inzwischen werden für die verschiedenen Trassenvarianten mindestens 206 Millionen Euro veranschlagt. Bei der teuersten Variante wären es sogar 302 Millionen Euro.

Als Ursachen nennt das Regierungspräsidium die stark gestiegenen Baukosten und neue technische Anforderungen, die bei der aktualisierten Planung berücksichtigt werden müssen.

Weniger Verkehr im geplanten Tunnel erwartet

Neben den höheren Kosten spielt auch die Entwicklung des Verkehrs eine entscheidende Rolle.

Frühere Prognosen gingen davon aus, dass den geplanten Tunnel täglich rund 10.000 Fahrzeuge nutzen würden.

Eine neue Verkehrsuntersuchung kommt zu einem deutlich niedrigeren Ergebnis: Für das Jahr 2040 werden nur noch etwa 7.000 Fahrzeuge pro Tag erwartet.

Das entspricht rund 30 Prozent weniger Fahrzeugen als in der früheren Prognose.

Nach Angaben des Regierungspräsidiums haben sich die Einwohnerzahlen und die gewerbliche Entwicklung in der Region weniger stark verändert als ursprünglich angenommen. Hinzu kommt ein bereits ausgebautes überörtliches Straßennetz.

Damit fällt der erwartete Nutzen der Umfahrung geringer aus, während die Kosten erheblich gestiegen sind.

Bund und Land stimmen Planungsstopp ab

Die Entscheidung wurde zwischen den Verkehrsministerien des Bundes und Baden-Württembergs sowie dem Regierungspräsidium Freiburg als zuständiger Straßenbaubehörde abgestimmt.

Nach Angaben des Regierungspräsidiums wurden bereits sämtliche Möglichkeiten zur Optimierung des Projekts geprüft.

Eine wirtschaftlich vertretbare Umsetzung sei derzeit trotzdem nicht absehbar.

Regierungspräsident Carsten Gabbert räumte ein, dass die Entscheidung für Schramberg enttäuschend sei.

Die Planung angesichts der mangelnden Wirtschaftlichkeit nicht weiterzuführen, bezeichnete er jedoch als die einzig vernünftige Entscheidung.

Erhalt bestehender Straßen hat Vorrang

Das Regierungspräsidium will seine personellen und finanziellen Kapazitäten stärker auf dringend notwendige Aufgaben konzentrieren.

Dazu gehören insbesondere die Sanierung und Erhaltung bestehender Straßen, Brücken und Stützmauern sowie Maßnahmen zur Sicherung von Felsen.

Bei neuen Straßenbauprojekten sollen vor allem Planungen vorangebracht werden, die bereits weit fortgeschritten sind.

Ist die Ortsumfahrung endgültig gescheitert?

Ein endgültiger Verzicht auf das Vorhaben ist mit der Entscheidung nicht verbunden.

Die Ortsumfahrung Schramberg ist weiterhin im Bundesverkehrswegeplan 2030 als Projekt des vordringlichen Bedarfs eingestuft.

Das Regierungspräsidium hatte die Planung im Auftrag des Bundes im Jahr 2019 aufgenommen.

Ob das Projekt später wieder aufgegriffen werden kann, hängt nach Angaben der Behörde unter anderem von einem künftigen Bundesverkehrswegeplan ab.

Dabei müsste erneut geprüft werden, ob sich eine Streckenführung finden lässt, die sowohl den verkehrlichen Anforderungen als auch den wirtschaftlichen Vorgaben entspricht.

Bis dahin bleibt die Planung ausgesetzt. Ein Termin für eine mögliche Wiederaufnahme wurde nicht genannt.

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