Krebszellen, die eine Chemotherapie überleben, könnten gerade dadurch neue Schwachstellen entwickeln. Ein Forschungskonzept mit Beteiligung vom Universitätsklinikum Freiburg zeigt, wie sich solche vorübergehenden Veränderungen möglicherweise für eine weitere Behandlung nutzen lassen. Langfristig könnte der Ansatz helfen, Rückfälle bei Leukämie zu verhindern. Bis zu einer Anwendung bei Patienten ist allerdings noch weitere Forschung nötig.
Das Konzept wurde am 3. November 2026 im Fachmagazin „Cell Metabolism“ vorgestellt.
Überlebende Krebszellen verändern sich
Bei einer akuten myeloischen Leukämie, einer Form von Blutkrebs, können einzelne Krebszellen selbst eine intensive Chemotherapie überstehen. Diese Zellen können später einen Rückfall auslösen.
Experimentelle Untersuchungen zeigen, dass überlebende Leukämiezellen ihren Stoffwechsel und ihre Herstellung von Proteinen verändern. Dadurch können sie zeitweise besonders stark von bestimmten Abläufen in ihrem Inneren abhängig werden.
Genau dort setzt das neue Forschungskonzept an: Eine erste Behandlung bringt Krebszellen in einen veränderten Zustand. Eine zweite, zeitlich abgestimmte Therapie soll anschließend die neu entstandenen Schwachstellen ausnutzen.
Der richtige Zeitpunkt könnte entscheidend sein
Entwickelt und beschrieben wurde der Ansatz von Dr. Christina Mayerhofer, Ärztin an der Kinder- und Jugendklinik des Universitätsklinikums Freiburg, gemeinsam mit Professor David T. Scadden von der Harvard University.
Die Forschenden bezeichnen das Konzept als „Dynamic Synthetic Lethality“.
„Uns interessiert, welchen Preis die Zellen für dieses Überleben zahlen. Denn genau daraus können neue Angriffsmöglichkeiten entstehen“, erklärt Mayerhofer.
Entscheidend könnte künftig nicht nur sein, welches Medikament eingesetzt wird, sondern auch zu welchem Zeitpunkt die Behandlung erfolgt.
Noch keine neue Therapie für Patienten
Das Universitätsklinikum betont, dass die bisherigen Erkenntnisse auf Laborstudien beruhen.
Ob sich die vorübergehenden Schwachstellen auch bei Patienten zuverlässig erkennen und mit einer zusätzlichen Behandlung sicher ausnutzen lassen, ist noch offen.
Dafür sind weitere Untersuchungen notwendig. Eine neue, bereits verfügbare Krebstherapie ist aus dem Konzept bislang nicht entstanden.
Professor Tobias Feuchtinger, Ärztlicher Direktor der Klinik für Pädiatrische Hämatologie und Onkologie am Universitätsklinikum Freiburg, sieht darin dennoch einen interessanten Forschungsansatz. Ziel sei es, künftig noch mehr krebskranken Kindern helfen zu können.
Die Forschenden wollen nun untersuchen, wie sich die Erkenntnisse für mögliche neue Behandlungsstrategien nutzen lassen.
Die wissenschaftliche Veröffentlichung ist unter dem Titel „Leveraging induced cell states for cancer therapy: the case for Dynamic Synthetic Lethality“ im Fachmagazin „Cell Metabolism“ erschienen.
Bild: Universitätsklinikum Freiburg, Mayerhofer

