Wer am Donnerstagmorgen durch die Salzstraße in Freiburg gelaufen ist, wird seinen Augen nicht getraut haben: Ist etwa wieder eine Straßenbahn an der selben Stelle entgleist, wie bereits an Vorabend geschehen? Und ja. Nachdem am Mittwoch gegen 17:30 Uhr bereits eine Straßenbahn zwischen den Haltestellen Bertoldsbrunnen und Oberlinden aus den Schienen gesprungen ist und über dem Bächle hing, passierte das gleiche nur wenige Stunden später an gleicher Stelle wieder. Wie es zu diesem Fahrfehler kommen konnte, dass zwei Straßenbahnen an gleicher Stelle entgleisen, versuchen wir hier zu erklären.
Einblick in die Gegebenheit der Strecke:
Anhand der Bilder von vor Ort ist die Lage für Straßenbahnkenner und BreisgauLIVE-Chefredakteur Marcel Hiller gut zu erklären – ähnlich bestätigte es die VAG-Pressesprecherin uns gegenüber: Zwischen den Haltestellen in der Salzstraße gibt es eine Überleitstelle durch zwei Weichen, die beide Richtungsgleise verbinden.
Die Weiche auf dem Gleis in Richtung Bertoldsbrunnen wird normalerweise stumpf befahren, vereinfacht gesagt, entgegen der Richtung der Weiche. Diese ist aber aktuell so eingestellt, das Straßenbahnen, welche die Weiche spitz befahren, also aus der Gegenrichtung in der das Abbiegen möglich ist, auf das andere „richtige“ Gleis übergeleitet werden.

Die Weiche fällt also jedes Mal zurück in eine Position, mit der Straßenbahnen, wenn sie am Bertoldsbrunnen vor dem Nordsee-Restaurant gewendet haben, ohne weitere Handlung vom Gegengleis zurück in das richtige Gleis in Richtung Littenweiler geleitet werden.
Wie Straßenbahnen dann entgleisen können:
Ist eine Straßenbahn nicht vollständig mit allen Achsen über diese entsprechende Weiche gefahren, kann es beim Rückwärtsfahren passieren, dass sie schon auf das andere Gleis übergeleitet wird, während die anderen Wagenteile der Bahn auf dem ursprünglichen Gleis verbleiben.
Wird dieser Vorgang nicht rechtzeitig bemerkt, kann es vorkommen, dass die Straßenbahn aus den Schienen springt, also entgleist, und in Fahrtrichtung über die Straße gezogen wird. Dies ist beide Male passiert, für den vorderen Zugteil war dann jeweils über dem Bächle Schluss.
Dieser Vorgang ist nach Bestätigung der VAG am Mittwochabend und am Donnerstagmorgen passiert. Die Straßenbahnen des Typs GT8Z mit den Nummern 260 und 247, die den Weichenbereich nicht vollständig überfahren haben, aber bereits dort wieder gewendet haben, waren davon betroffen.
Wie geht es den Straßenbahnen?
Laut Pressesprecherin Hannah Steiert wurde die Tram 260 am Mittwochabend bis um 23:50 Uhr wieder aufgegleist und konnte den Unfall ohne Schaden überstehen. Die Tram mit der Theater-Werbung ist also wieder im Einsatz.
Die am Donnerstagmorgen entgleiste Straßenbahn mit der Nummer 247 konnte über einen freien Bereich rund um den Bertoldsbrunnen auf den Betriebshof auf der Haid überführt werden. Dort wird das Fahrzeug aktuell auf Schäden untersucht.
Wer ins Bächle fällt, muss eine Freiburgerin heiraten
Und so kommt die Story, wie sie kommen musste: Wer ins Bächle in Freiburg reinfällt, muss eine Freiburgerin oder einen Freiburger heiraten. Da nun zwei Straßenbahnen das gleiche Schicksal passierte, dürfte die Frage, wer hier mit wem heiraten muss, ziemlich schnell geklärt sein.
Die 22-jährige Künstlerin „Billieslang“ aus der Nähe von Stuttgart hat sich aufgrund von diesem Sprichwort gedacht, sie hält dies einmal in einer Zeichnung fest, die sie uns für den Beitrag dankenswerterweise zur Verfügung gestellt hat.

Bild: Marcel Hiller, BreisgauLIVE vor Ort und Instagram-Nutzer „ireneus_frost“

