Gleich vier wichtige Wahlen stehen am Sonntag, 25. Oktober 2026, in Südbaden an. In Reute wird nach rund 30 Jahren ein neuer Bürgermeister gesucht. In Offenburg und Ettenheim fällt die Entscheidung in einer Stichwahl. Und in Herbolzheim stimmen die Bürger darüber ab, ob ein historisches Gebäude für ein Neubauprojekt abgerissen werden darf.
Hier sind die vier Entscheidungen im Überblick.
1. Reute: Wer folgt auf Bürgermeister Michael Schlegel?
In Reute im Landkreis Emmendingen endet eine lange Ära. Bürgermeister Michael Schlegel tritt nach rund 30 Jahren im Amt nicht erneut an. Um seine Nachfolge bewerben sich Rafael Kuliberda und Dr. Markus Degen.
Rafael Kuliberda ist 29 Jahre alt, Polizeihauptmeister beim Polizeirevier Emmendingen und seit knapp drei Jahren Mitglied des Reuter Gemeinderats. Er setzt unter anderem auf eine moderne Verwaltung, solide Gemeindefinanzen, gute Kinderbetreuung und die Unterstützung der Vereine.
Dr. Markus Degen ist Professor für Informatik in Augsburg und hat nach eigenen Angaben Erfahrung in der Leitung internationaler Teams und großer Projekte. Er möchte zunächst laufende Vorhaben ordnen und Prioritäten setzen. Dazu zählen Hochwasserschutz, Feuerwehrhaus, Kanalsanierung und Gewerbeentwicklung.
Beide Kandidaten sind in Reute aufgewachsen und betonen ihre Verbundenheit mit der Gemeinde.
Für einen Sieg am Sonntag ist die absolute Mehrheit erforderlich. Sollte keiner der beiden Bewerber diese erreichen, ist für den 15. November eine Stichwahl vorgesehen.
Mehr zu den Kandidaten und ihren Vorstellungen: BreisgauLIVE-Bericht „Wahl in Reute: Diese zwei Männer wollen Bürgermeister werden“ vom 9. Oktober.
2. Offenburg: Benz oder Christ wird neuer Oberbürgermeister
In Offenburg entscheiden die Wahlberechtigten in einer Stichwahl über die Nachfolge von Oberbürgermeister Marco Steffens. Er tritt nicht erneut an.
Zur Wahl stehen Dr. Tobias Benz und Julian Christ.
Benz ist 44 Jahre alt, CDU-Mitglied und seit 2014 Bürgermeister von Grenzach-Wyhlen. Im ersten Wahlgang am 11. Oktober erreichte er 45,4 Prozent der Stimmen.
Christ ist Jahrgang 1987, SPD-Mitglied und seit 2017 Bürgermeister von Gernsbach. Er kam im ersten Wahlgang auf 27,2 Prozent.
Beide Bewerber bringen Erfahrung als amtierende Bürgermeister mit. Benz setzt unter anderem auf zusätzlichen Wohnraum, eine langfristige Stadtstrategie und die Modernisierung der Verwaltung. Christ nennt Wirtschaft, bezahlbares Wohnen, Ehrenamt und die Stärkung der Ortsverwaltungen als Schwerpunkte.
Die Wahllokale sind von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Mit dem Ergebnis rechnet die Stadt gegen 19:30 Uhr. Vor dem Historischen Rathaus soll die Auszählung auf einer großen Leinwand verfolgt werden können.
Mehr zu beiden Kandidaten: BreisgauLIVE-Bericht „OB-Stichwahl in Offenburg: Benz oder Christ – am Sonntag fällt die Entscheidung“ vom 22. Oktober.
3. Ettenheim: Ruchti oder Eble übernimmt das Rathaus
Auch in Ettenheim fällt am Sonntag die Entscheidung über das Bürgermeisteramt.
Im ersten Wahlgang am 4. Oktober lag Alexander Ruchti mit 47,7 Prozent deutlich vorne. Dominik Eble erreichte 28,7 Prozent. Carina Kratt schied mit 23,5 Prozent aus.
Ruchti ist 46 Jahre alt und seit 2010 Stadtkämmerer von Ettenheim. Er betont seine Erfahrung mit den Finanzen und Verwaltungsabläufen der Stadt. Seine Schwerpunkte sind unter anderem Infrastruktur, solide Finanzen, Wohnraum und eine moderne Verwaltung.
Eble ist 43 Jahre alt, arbeitet seit 2003 bei Mercedes-Benz und kandidiert parteilos. Er möchte unter anderem die Innenstadt beleben, Familien entlasten, örtliche Unternehmen stärken und neue Perspektiven aus der Wirtschaft in die Stadtverwaltung einbringen.
Die Wahlbenachrichtigung vom ersten Wahlgang gilt weiterhin. Wer sie nicht mehr hat, kann sich laut Stadt mit dem Personalausweis ausweisen.
Mehr zu den Kandidaten: BreisgauLIVE-Bericht „Bürgermeister-Stichwahl in Ettenheim: Ruchti oder Eble – morgen fällt die Entscheidung“ vom 24. Oktober.
4. Herbolzheim: Bleibt das historische Schindlerhaus stehen?
In Herbolzheim geht es am Sonntag nicht um ein Bürgermeisteramt, sondern um die Zukunft des Schindlerhauses in der Friedrichstraße 32.
Der Gemeinderat hat ein Neubaukonzept beschlossen, für das das Gebäude von 1909 abgerissen werden soll. Geplant sind unter anderem Wohnungen, neue Räume für den DRK-Ortsverein und eine Arztpraxis.
Die Bürgerinitiative „Erhaltung Stadtbild Herbolzheim“ möchte das historische Haus dagegen erhalten. Sie schlägt vor, das Gebäude zu sanieren und die umliegenden Grundstücke trotzdem neu zu bebauen.
Die entscheidende Frage auf dem Stimmzettel lautet:
„Sind Sie dafür, dass der Beschluss des Gemeinderats vom 23.04.2026 zur Vorlage 065/26 aufgehoben und dadurch der Verkauf des historischen Schindlerhauses, Friedrichstraße 32, und dessen Abriss verhindert wird?“
Einfach erklärt:
JA bedeutet: Der bisherige Gemeinderatsbeschluss wird aufgehoben. Der geplante Verkauf und Abriss des Schindlerhauses sollen verhindert werden.
NEIN bedeutet: Der bisherige Gemeinderatsbeschluss bleibt bestehen. Das Neubauprojekt kann auf dieser Grundlage weiterverfolgt werden.
Damit das Bürgerbegehren erfolgreich ist, braucht es nicht nur mehr Ja- als Nein-Stimmen. Mindestens 20 Prozent aller Stimmberechtigten müssen mit Ja stimmen.
Abstimmen dürfen unter den gesetzlichen Voraussetzungen bereits Jugendliche ab 16 Jahren. Die Wahllokale sind von 8 bis 18 Uhr geöffnet.
Die Stadt plant, das Ergebnis nach der Auszählung am Sonntagabend öffentlich bekannt zu geben.
Alle Hintergründe, die Positionen der Stadt und der Bürgerinitiative sowie die Wahllokale: BreisgauLIVE-Bericht „Herbolzheim entscheidet morgen über das Schindlerhaus“ vom 24. Oktober.
Vier Entscheidungen mit Folgen für die Region
In Reute, Offenburg und Ettenheim geht es darum, wer künftig die jeweilige Stadt oder Gemeinde führt. In Herbolzheim entscheiden die Bürger direkt über einen Gemeinderatsbeschluss und damit über die weitere Planung eines zentralen Grundstücks.
BreisgauLIVE berichtet über die Ergebnisse der vier Abstimmungen.

