Im Kreis Emmendingen wird über ein neues Modell für die häusliche Pflege diskutiert. Ein Bericht warnt zugleich vor wachsendem Pflegebedarf bis 2040.
Pflege nach Stoppuhr? Im Kreis Emmendingen soll sich etwas ändern
Mehr Zeit für das, was Pflegebedürftige wirklich brauchen: Im Landkreis Emmendingen wird über ein anderes Modell für die häusliche Pflege diskutiert. Statt feste Leistungen einzeln abzurechnen, könnten Pflegedienste künftig stärker nach der tatsächlich benötigten Zeit arbeiten. Gleichzeitig zeigt ein neuer Seniorenbericht, dass der Pflegebedarf im Kreis in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter steigen wird.
Beide Themen standen am Dienstag, 13. Oktober, bei der Kommunalen Kreispflegekonferenz im Landratsamt Emmendingen im Mittelpunkt.
Pflegekräfte sollen flexibler helfen können
Das vorgestellte Modell heißt „Ist-Zeit-Pflege“. Dahinter steckt ein anderer Ansatz bei der Abrechnung ambulanter Pflegeleistungen.
Bisher werden häufig einzelne Leistungen abgerechnet, etwa bestimmte Hilfen bei der Körperpflege. Bei der Ist-Zeit-Pflege bildet dagegen die tatsächlich benötigte Zeit die Grundlage.
Dadurch könnten Pflegekräfte gemeinsam mit den betreuten Menschen flexibler entscheiden, welche Unterstützung an einem bestimmten Tag sinnvoll ist.
Das kann neben der Körperpflege beispielsweise ein Treppentraining, Hilfe bei alltäglichen Tätigkeiten oder ein entlastendes Gespräch sein.
Die Pflegekräfte sollen dadurch mehr Eigenverantwortung erhalten. Zugleich könnte das Modell ihre Arbeitszufriedenheit verbessern.
Ob und wann die Ist-Zeit-Pflege im Landkreis eingeführt wird, geht aus der Mitteilung des Landratsamts nicht hervor. Bei der Sitzung wurde das Modell zunächst vorgestellt und diskutiert.
Bis 2040 dürfte der Pflegebedarf steigen
Ein zweiter Schwerpunkt war der Kreisseniorenbericht 2026 bis 2040.
Der Bericht geht davon aus, dass die Zahl der pflegebedürftigen Menschen im Landkreis aufgrund der alternden Bevölkerung weiter steigen wird.
Damit wächst auch der Druck auf die vorhandenen Pflegeangebote. Bestehende Einrichtungen und Dienste sollen deshalb erhalten und nach Möglichkeit ausgebaut werden.
Der Bericht soll demnächst auf der Internetseite des Landratsamts veröffentlicht werden.
Es geht nicht nur um zusätzliche Pflegekräfte
Um die Versorgung langfristig zu sichern, nennt der Bericht mehrere Handlungsfelder.
Dazu gehören barrierefreie Wohnungen und Wohnviertel, ausreichend Wohnraum für Pflegekräfte sowie die bessere Integration von Pflegepersonal aus dem Ausland.
Auch ehrenamtliches Engagement und die Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Pflege- und Unterstützungsangeboten sollen gestärkt werden.
Ein weiterer Punkt ist die Vermeidung von Einsamkeit. Sie kann das Risiko für Demenz und Pflegebedürftigkeit erhöhen.
Möglichst lange selbstständig zu Hause leben
Die Kommunale Kreispflegekonferenz bringt seit 2020 verschiedene Einrichtungen und Verantwortliche aus dem Pflegebereich im Landkreis zusammen.
Ihr Ziel ist es, die Versorgung älterer und pflegebedürftiger Menschen weiterzuentwickeln.
Dabei steht besonders im Mittelpunkt, dass Menschen möglichst lange selbstbestimmt in ihrer gewohnten Umgebung leben können.
Angesichts des erwarteten Anstiegs der Pflegebedürftigkeit wird die Frage, wie ambulante Pflege künftig organisiert und finanziert werden kann, für den Landkreis zunehmend wichtig.

