In Wieden ist ein Gemeinschaftsstall für 50 Rinder eröffnet worden. Das Millionenprojekt soll Landwirte entlasten und Bergweiden erhalten.
Ein Stall für vier Bauern: Wieden will seine Bergweiden retten
Ein neuer Stall für 50 Rinder soll in Wieden im Kreis Lörrach helfen, eine jahrhundertealte Landschaft zu bewahren. Statt selbst teure Stallgebäude bauen zu müssen, können sich mehrere Landwirte künftig einen Gemeinschaftsstall teilen. Das Projekt kostet mehr als eine Million Euro und soll dafür sorgen, dass die artenreichen Bergweiden im Südschwarzwald auch langfristig bewirtschaftet werden.
Am Freitag wurde der neue Stall im Beisein von Regierungspräsident Carsten Gabbert offiziell eingeweiht.
Vier Betriebe teilen sich einen Stall
Bereits in diesem Winter wollen vier landwirtschaftliche Betriebe ihre Kühe in dem neuen Gebäude unterbringen. Insgesamt bietet der Stall Platz für 50 ausgewachsene Rinder.
Eigentümerin ist die Gemeinde Wieden. Sie vermietet die Stallplätze an landwirtschaftliche Betriebe, die gemeinschaftliche Weideflächen der Gemeinde bewirtschaften.
Der Vorteil: Die Landwirte können moderne Einrichtungen gemeinsam nutzen, ohne jeweils einen eigenen Stall finanzieren zu müssen.
Das ist gerade im Südschwarzwald wichtig. Viele Höfe werden dort im Nebenerwerb betrieben. Hohe Baukosten, steile Hänge und begrenzte finanzielle Möglichkeiten erschweren Investitionen in neue Stallgebäude.
Mehr als eine Million Euro investiert
Die Gesamtkosten des Gemeinschaftsstalls liegen bei etwas mehr als einer Million Euro.
Rund 700.000 Euro stammen von der Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg. Die Gemeinde Wieden übernimmt etwa 30 Prozent der Kosten.
Bürgermeister Michael Fischer sieht darin eine Möglichkeit, die örtlichen Landwirtschaftsbetriebe wirtschaftlich zu entlasten und gleichzeitig die Beweidung der Bergflächen zu sichern.
Der Stall verfügt auch über moderne Technik, darunter einen Hoflader mit Teleskopausleger und eine teilweise automatisierte Entmistung.
Warum Kühe für den Naturschutz wichtig sind
Die Bergweiden rund um Wieden sind nicht nur landwirtschaftliche Flächen. Sie bieten zahlreichen Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum und prägen das Landschaftsbild des Südschwarzwalds.
Eine besondere Rolle spielen dabei die sogenannten Allmendweiden. Das sind Flächen, die traditionell gemeinschaftlich bewirtschaftet werden.
Wenn Rinder dort grasen, halten sie die Landschaft offen. Ohne regelmäßige Beweidung könnten viele Flächen mit der Zeit zuwachsen.
Besonders an steilen Hängen ist die Beweidung häufig die einzige praktikable Möglichkeit, die artenreichen Wiesen dauerhaft zu erhalten.
Modellprojekt könnte Schule machen
Die Idee für den Gemeinschaftsstall entstand bereits 2021 im Projekt „Allmende 2.0“ des Biosphärengebiets Schwarzwald.
Gemeinsam mit der Gemeinde, Landwirten und Fachleuten wurde anschließend ein Konzept entwickelt. Das Biosphärengebiet unterstützte unter anderem bei der Standortsuche, der Planung und der Beantragung von Fördergeldern.
Ende 2025 wurde die Förderung zugesagt. Im Jahr 2026 konnte der Stall gebaut werden.
Die Verantwortlichen hoffen nun, dass das Modell auch für andere Gemeinden im Südschwarzwald interessant wird.
Denn der neue Stall soll nicht nur den vier beteiligten Betrieben helfen, sondern zeigen, wie Landwirtschaft und Naturschutz gemeinsam gestärkt werden können.
Bild: Biosphärengebiet Schwarzwald

