(Bildquelle unter Text, sonst Symbolbild) Quelle der Infos: BreisgauLIVE-Recherche
Du kannst News von BreisgauLIVE bei Google jetzt ganz oben sehen (klicke hier für die Einrichtung)
Überfüllte Züge, ausgefallene Verbindungen, fehlende Wagen und lange Diskussionen unter den Fahrgästen: Im Bahnverkehr rund um Freiburg wächst derzeit der Frust. BreisgauLIVE erreichten in den vergangenen Tagen zahlreiche Zuschriften und Facebook-Kommentare von Pendlerinnen und Pendlern, die von teilweise unzumutbaren Zuständen berichten. Die Redaktion hat sich selbst mit dem Zug auf den Arbeitsweg gemacht – und viele der Schilderungen bestätigt.
Eine Stellungnahme der Deutschen Bahn sowie des baden-württembergischen Verkehrsministeriums hatte BreisgauLIVE vor der Veröffentlichung angefragt. Bis zum Ablauf der gesetzten Frist am Donnerstagmittag, und selbst nachträglich bis Freitagnachmittag, gingen jedoch keine Antworten ein.
Pendler berichten von chaotischen Zuständen
Besonders häufig kritisieren Fahrgäste derzeit überfüllte Regionalzüge auf der Rheintalbahn zwischen Freiburg und Basel beziehungsweise Offenburg. Ursache seien Zugausfälle, verkürzte Züge sowie die hohe Auslastung während der Sommerferien. Reisende und Ausflügler treffen nämlich mit dem täglichen Pendlerverkehr zusammen.
Mehrere Leser schildern Situationen, in denen ausgefallene Züge dazu führten, dass sich doppelt so viele Fahrgäste im nächsten Regionalzug drängten. Hinzu kämen zahlreiche Fahrräder, die in den Mehrzweckbereichen und Eingangsbereichen viel Platz beanspruchten.
Ein Pendler fordert sogar, die Fahrradmitnahme werktags während der Hauptverkehrszeiten zumindest in den Sommermonaten einzuschränken. Gerade wenn bereits ein Zug ausgefallen sei, würden Fahrräder wertvollen Platz blockieren, den zahlreiche weitere Fahrgäste dringend benötigten.
Nach Angaben mehrerer Fahrgäste seien dadurch Menschen mit Kinderwagen, Rollstühlen oder schwerem Gepäck teilweise gar nicht mehr in die Züge gekommen.
In einem Kommentar auf unserer Facebook-Seite wird vermutet, dass die geringere Kapazität noch mit der Zugentgleisung von Mitte Juli zusammenhängt. Denn noch immer sei die Weiche defekt und dadurch könne man keine zusätzlichen Züge auf die Strecke schicken. Unsere Beobachtung kann zumindest bestätigen, dass innerhalb der Woche immer mal wieder Mitarbeiter der Bahn an der Weiche tätig waren. Eine offizielle Bestätigung fehlt hierfür.
Eigene Beobachtungen bestätigen die Kritik
BreisgauLIVE hat sich diese Woche selbst ein Bild der Situation gemacht – sowohl auf Fahrten nach Freiburg als auch in Richtung Emmendingen. Dabei benutzten wir auch bewusst Fahrten im Pendlerverkehr.
Dabei zeigte sich ein ähnliches Bild wie in den zahlreichen Leserhinweisen:
- Der RE7 um 08:20 Uhr ab Denzlingen verkehrte an mehreren Tagen mit einer Zugeinheit weniger als üblich. Bereits am Morgen herrschte dichtes Gedränge.
- Auch der RB26 um 17:00 Uhr ab Freiburg war an drei von vier Tagen mit reduzierter Kapazität unterwegs und entsprechend überfüllt.
- Mehrfach benötigten die Türen ungewöhnlich lange zum Schließen, weil sich Fahrgäste zunächst im Eingangsbereich verteilen mussten, oder teilweise wegen Überfüllung wieder aussteigen mussten.
- Teilweise mussten Reisende auch am Bahnsteig zurückbleiben, weil kein Platz im Zug mehr vorhanden war.
- Größere Freizeitgruppen und zahlreiche Fahrräder verschärften die Situation zusätzlich.
- In mehreren Zügen waren die Lautsprecherdurchsagen des Zugpersonals für uns und andere kaum verständlich, das passierte in vier Zügen. Lediglich in einer RB26 am Freitagnachmittag waren Ansagen klar verständlich.
Besonders auffällig: Jeder zweite Zug der S2 beginnt seine Fahrt derzeit nicht wie üblich in Freiburg, sondern erst in Denzlingen. Bis dorthin mussten sich die Fahrgäste in einen bereits stark ausgelasteten vorausfahrenden Zug bis Denzlingen quetschen.
Sommerferien sorgen für zusätzliche Belastung
Die Sommerferien bringen traditionell mehr Ausflugsverkehr mit sich. Viele Reisende nutzen Regionalzüge für Tagesausflüge – häufig mit Fahrrädern oder E-Bikes.
Gleichzeitig berichten Pendler davon, dass derzeit häufiger Züge verkürzt verkehren oder einzelne Verbindungen ausfallen. Treffen beide Faktoren zusammen, entstehen schnell Situationen, in denen Regionalzüge ihre Kapazitätsgrenzen deutlich überschreiten.
Auch Einschränkungen bei der Breisgau-S-Bahn
Zusätzlich fielen der Redaktion Einschränkungen auf der von der SWEG betriebenen Linie S2 auf. Zeitweise endeten einzelne Fahrten bereits in Denzlingen und fuhren nicht bis Freiburg durch.
Wir beobachten entlang der Strecke aber keine Bauarbeiten und auch am Bahnhof Freiburg ist derzeit kein Gleis gesperrt. Weshalb jeder zweite Kurs in Denzlingen endet und Freiburg nicht bedient, ist uns deshalb aktuell nicht ersichtlich.
Bahnverkehr im Rheintal ohnehin stark belastet
Unabhängig von den aktuellen Problemen stehen auf der Rheintalbahn weitere Einschränkungen bevor. Die Deutsche Bahn bündelt im August umfangreiche Bauarbeiten zwischen Offenburg und Herbolzheim. An zwei Wochenenden, ab dem 07. und 14. August, wird die Strecke von Freitag, 21 Uhr, bis Montag, 05 Uhr, vollständig gesperrt, Regionalzüge und der Fernverkehr fallen auf Teilabschnitten aus und werden durch Busse ersetzt.
Ob diese Bauarbeiten jedoch in direktem Zusammenhang mit den derzeit beobachteten Kapazitätsengpässen im alltäglichen Pendlerverkehr stehen, ließ sich mangels Stellungnahme der Verantwortlichen bislang nicht klären.
Viele offene Fragen
Warum derzeit zahlreiche Regionalzüge mit geringerer Kapazität unterwegs sind, weshalb einzelne Züge ausfallen oder warum auf einigen Verbindungen offenbar nur eine statt zwei gekuppelter Triebzüge eingesetzt werden, bleibt vorerst unbeantwortet.
Ebenso offen ist die Frage, welche kurzfristigen Maßnahmen geplant sind, um die Situation für Pendler und Reisende zu verbessern.
BreisgauLIVE wird über eine mögliche nachträgliche Stellungnahme der Deutschen Bahn oder des Verkehrsministeriums selbstverständlich berichten, sobald diese eingeht.







