Die wirtschaftliche Lage im südbadischen Handwerk bleibt angespannt. Im dritten Quartal 2026 berichten deutlich mehr Betriebe von sinkenden Aufträgen und Umsätzen als noch vor einem Jahr. Das zeigt die aktuelle Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Freiburg unter Betrieben in der Ortenau sowie den Landkreisen Emmendingen, Breisgau-Hochschwarzwald und Lörrach und der Stadt Freiburg.
Nur noch 46 Prozent der befragten Betriebe bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als gut. Im dritten Quartal 2025 waren es 71 Prozent. 15 Prozent bezeichnen ihre Lage als schlecht, nach zehn Prozent vor einem Jahr.
Der Konjunkturindikator der Handwerkskammer, der Geschäftslage und Erwartungen zusammenfasst, sank von 34,1 Punkten im Vorjahresquartal auf 12,7 Punkte. Damit bewertet die Kammer die Entwicklung als Stagnation auf niedrigem Niveau.
38 Prozent melden sinkende Aufträge
Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung bei den Aufträgen. Nur 13 Prozent der befragten Betriebe verzeichneten ein Plus, während 38 Prozent von weniger Aufträgen berichteten. Vor einem Jahr hatten 24 Prozent sinkende Auftragseingänge gemeldet.
Auch bei den Umsätzen überwiegen die negativen Rückmeldungen: 15 Prozent der Betriebe meldeten gestiegene Umsätze, 39 Prozent dagegen einen Rückgang. Im Vorjahresquartal hatten 25 Prozent ein Umsatzplus und 19 Prozent ein Minus angegeben.
Zusätzlich berichten 81 Prozent der Betriebe von gestiegenen Einkaufspreisen. Nur 29 Prozent konnten nach Angaben der Handwerkskammer gleichzeitig ihre Verkaufspreise erhöhen.
Die Handwerkskammer führt den Kostendruck unter anderem auf Preissteigerungen infolge des Iran-Kriegs und Logistikprobleme durch Niedrigwasser zurück. Kammerpräsident Christof Burger sieht außerdem niedrige Kapazitätsauslastungen, fehlende Aufträge, Margendruck und Bürokratie als zentrale Probleme der Betriebe.
Ausblick bleibt verhalten
Für das vierte Quartal erwarten 19 Prozent der Betriebe eine Verbesserung ihrer Geschäftslage. 24 Prozent rechnen dagegen mit einer Verschlechterung.
Auch bei den kommenden Aufträgen hat sich die Stimmung gegenüber dem Vorjahr eingetrübt. 16 Prozent erwarten steigende Auftragseingänge, 30 Prozent einen Rückgang. Vor einem Jahr lagen diese Werte bei 30 beziehungsweise zehn Prozent.
Bei den Umsätzen erwarten 21 Prozent eine Steigerung und 29 Prozent einen Rückgang. Positive Erwartungen meldet die Handwerkskammer lediglich aus dem Nahrungsmittelgewerbe und den Gesundheitshandwerken.
Kritik an der Bundesregierung
Kammerpräsident Burger kritisiert in diesem Zusammenhang die Bundesregierung. Von deren bisheriger Reformarbeit komme nach seiner Einschätzung bei vielen Handwerksbetrieben vor Ort bislang kaum etwas an.
Die Bundesregierung selbst verweist dagegen auf bereits beschlossene oder umgesetzte Maßnahmen für Unternehmen, darunter Schritte zum Bürokratieabbau, Investitionsanreize und Entlastungen bei Energiekosten. Damit handelt es sich bei Burgers Aussage um die Bewertung der Handwerkskammer und nicht um eine Feststellung über die bisherigen Reformmaßnahmen.
Für die aktuelle Konjunkturumfrage wurden Handwerksbetriebe vom 7. bis 18. September online befragt. Die Handwerkskammer Freiburg vertritt nach eigenen Angaben fast 16.000 Betriebe mit mehr als 100.000 Beschäftigten in ihrem Kammerbezirk.
Bild: amh-online.de







