DEUTSCHLAND

Autobauer Volkswagen kündigt zehn Tarifverträge

Bei Volkswagen verschärft sich der Tarifkonflikt. Der Autobauer hat am Mittwoch laut übereinstimmenden Medienberichten eine Reihe von Haustarifverträgen gekündigt. Nach Angaben der IG Metall handelt es sich um zehn Tarifverträge, darunter den wichtigen Manteltarifvertrag. Sämtliche Medienberichte bestätigen inzwischen, dass die zuvor von der Gewerkschaft angekündigten Kündigungen tatsächlich erfolgt sind.

Volkswagen begründet den Schritt mit dem Kostendruck im Unternehmen. Verschiedene tarifliche Regelungen müssten aus Sicht des Autobauers angepasst werden. Welche konkreten Einschnitte daraus am Ende entstehen, steht damit allerdings noch nicht fest.

Die IG Metall Niedersachsen und Sachsen-Anhalt hatte zuvor mitgeteilt, der Vorstand wolle eine ganze Reihe von Vereinbarungen aus dem VW-Haustarif kündigen. Gewerkschaft und Gesamtbetriebsrat kündigten Widerstand an.

Auswirkungen frühestens ab Januar 2027

Nach Angaben der IG Metall könnten die Kündigungen frühestens ab Januar 2027 Auswirkungen haben. Betroffen sein könnten demnach unter anderem die tarifliche Zusatzvergütung T-ZUV, die tarifliche Zulage, Tarif Plus, der Manteltarifvertrag und Regelungen zur Ausbildung.

Bei der T-ZUV geht es nach Angaben der Gewerkschaft wahlweise um sechs zusätzliche freie Tage im Jahr oder eine Zusatzzahlung in Höhe von 27,5 Prozent eines Monatseinkommens.

Welche dieser Leistungen tatsächlich verändert oder gestrichen werden, ist bislang offen. Die Kündigung der Tarifverträge bedeutet nicht automatisch, dass sämtliche darin enthaltenen Leistungen zum Jahreswechsel ersatzlos wegfallen.

Beschäftigungssicherung soll bestehen bleiben

Von den aktuellen Kündigungen getrennt ist nach Darstellung der IG Metall die bestehende Beschäftigungssicherung. Sie sei bis Ende 2030 unkündbar. Nach der Vereinbarung zwischen Volkswagen und Arbeitnehmerseite vom Dezember 2024 ist ein sozialverträglicher Personalabbau von mehr als 35.000 Stellen an den deutschen VW-Standorten bis 2030 vorgesehen; zugleich wurde eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2030 vereinbart.

Der aktuelle Konflikt dreht sich damit vor allem um die tariflichen Bedingungen der Beschäftigten. Volkswagen hatte bereits in früheren Tarifauseinandersetzungen niedrigere Personalkosten als wichtigen Baustein für die Wettbewerbsfähigkeit bezeichnet.

IG Metall kündigt Widerstand an

Die Gewerkschaft reagiert scharf auf die Kündigungen. IG-Metall-Verhandlungsführer Thorsten Gröger wirft Volkswagen vor, wirtschaftliche Probleme auf die Beschäftigten abzuwälzen. Gesamtbetriebsratschefin Daniela Cavallo rechnet nach Angaben der Gewerkschaft mit einer heftigen Auseinandersetzung zum Jahreswechsel.

Anlass für die Entwicklung war ein Überprüfungsgespräch zwischen den Tarifparteien zur Einigung aus dem Jahr 2024. Nach Darstellung der IG Metall vermische Volkswagen mit den Tarifkündigungen die Überprüfung dieser Vereinbarung mit Forderungen für die neue Tarifrunde 2026/2027.

Damit ist der Konflikt zunächst eröffnet. Welche neuen tariflichen Bedingungen Volkswagen durchsetzen will und auf welche Gegenforderungen sich die IG Metall festlegt, geht aus den bislang vorliegenden Informationen noch nicht vollständig hervor.

BreisgauLIVE einschalten
WordPress Cookie Plugin von Real Cookie Banner