Der Badische Landwirtschaftliche Hauptverband warnt vor zunehmendem finanziellen Druck auf landwirtschaftliche Betriebe in Südbaden. Bei einem Pressegespräch in Freiburg forderte der BLHV am Dienstag langfristig kalkulierbare Energiekosten und kritisierte, dass die neue Entlastung beim Tanken nur bis Ende 2026 gilt.
Die Bundesregierung will die Energiesteuer auf Benzin und Diesel ab 1. Oktober bis zum Jahresende um 14 Cent je Liter senken. Einschließlich der geringeren Umsatzsteuer entspricht das einer Entlastung von rund 17 Cent pro Liter. Für Anfang 2027 strebt die Bundesregierung zudem einen vorübergehenden Spritpreisdeckel an.
Der BLHV begrüßt die kurzfristige Entlastung grundsätzlich. Für landwirtschaftliche Betriebe reiche eine auf drei Monate begrenzte Maßnahme nach Ansicht vom Verband aber nicht aus. Entscheidend sei, wie die Kraftstoffkosten ab 2027 begrenzt werden.
„Nach der Dürre auf dem Feld droht die Dürre auf dem Konto“, erklärte BLHV-Präsident Bernhard Bolkart. Der Verband verweist auf schwache Ernten und gleichzeitig hohe Kosten für Diesel, Dünger, Futter und Maschinen. Gleichzeitig müssten die Betriebe bereits das nächste Anbaujahr vorfinanzieren.
Der BLHV bringt als mögliche langfristige Lösung ein Agrardiesel-Modell nach französischem Vorbild ins Gespräch. Dabei würde die Steuerentlastung nach Vorstellung vom Verband direkt beim Kraftstoffkauf abgezogen und nicht erst nachträglich erstattet. Die Bundesregierung verweist ihrerseits darauf, dass die Agrardiesel-Rückvergütung bereits wieder vollständig eingeführt wurde.
Besondere Bedingungen in Südbaden
BLHV-Vizepräsident Martin Linser argumentiert, dass viele Betriebe in Südbaden wegen kleiner, zerschnittener oder unregelmäßig geformter Flächen vergleichsweise viele Fahrten und Wendemanöver benötigten. Dadurch könne der Dieselverbrauch pro Hektar steigen.
Gleichzeitig fordert der Verband mehr Offenheit für erneuerbare Kraftstoffe. Gerade bei schweren landwirtschaftlichen Maschinen gebe es derzeit aus Sicht vom BLHV noch keine ausreichenden Alternativen zu flüssigen Kraftstoffen. Biokraftstoffe könnten nach Ansicht vom Verband deshalb eine Übergangslösung darstellen.
Der BLHV fordert insgesamt eine langfristige Strategie für verlässlich kalkulierbare Energiekosten. Die Bundesregierung hat angekündigt, die Entwicklung der Kraftstoffpreise weiter zu beobachten und für Anfang 2027 zusätzliche Instrumente vorzubereiten.
Bild: BLHV, Taskale







