BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD

Bahnstrecke Breisach – Colmar: Gewerkschaft kritisiert Aufschub

Die geplante Wiederaufnahme des Zugverkehrs zwischen Breisach und Colmar wird vom Land Baden-Württemberg vorerst nicht vorrangig unterstützt. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) kritisiert diese Entscheidung scharf und fordert, das neue Konzept zur Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken zu überarbeiten.

Das Verkehrsministerium hatte am 8. Oktober angekündigt, die untersuchten Bahnprojekte in zwei Gruppen aufzuteilen. Vorhaben der ersten Gruppe sollen weiter vorangetrieben werden. Elf Projekte der zweiten Gruppe werden zunächst zurückgestellt. Dazu gehört auch die grenzüberschreitende Verbindung Breisach–Colmar.

EVG warnt vor Stillstand beim Bahnausbau

Manuel Amberger, EVG-Vorsitzender in Baden-Württemberg, wirft dem Land vor, mit der Priorisierung wichtige Verkehrsverbindungen auszubremsen. Die Gewerkschaft spricht von einem Zwei-Klassen-System und kritisiert insbesondere die Zurückstellung grenzüberschreitender Projekte.

Aus Sicht der EVG sind Verbindungen wie Breisach–Colmar wichtig, um Bahnreisen über Landesgrenzen hinweg zu erleichtern. Die Gewerkschaft fordert, alle von ihr und dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen empfohlenen Reaktivierungsprojekte weiter voranzutreiben.

Land verweist auf fehlendes Geld

Das Verkehrsministerium begründet seine Entscheidung mit der angespannten Finanzierung des regionalen Bahnverkehrs. Verkehrsministerin Nicole Razavi erklärte, steigende Kosten und unzureichende Bundesmittel machten eine Priorisierung notwendig.

Für Projekte der zweiten Gruppe bietet das Land derzeit keine Unterstützung an. Nach fünf Jahren sollen sie erneut bewertet werden. Eine endgültige Absage sei die Zurückstellung laut Ministerium nicht. Für Breisach–Colmar nennt das Land wegen der internationalen Bedeutung zudem die Möglichkeit, bei weiterer Projektverfolgung vorzeitig in die erste Gruppe aufzurücken.

Kandertalbahn und Wutachtalbahn haben Vorrang

Anders sieht es bei zwei weiteren Bahnprojekten im Süden Baden-Württembergs aus: Die Kandertalbahn zwischen Haltingen und Kandern sowie die Untere Wutachtalbahn zwischen Lauchringen und Weizen stehen auf der Liste der priorisierten Vorhaben. Die Untere Wutachtalbahn befindet sich laut Verkehrsministerium bereits im Bau.

Die EVG hält die Aufteilung dennoch für falsch. Sie befürchtet, dass wiederholte Verzögerungen nicht nur den Bahnausbau behindern, sondern auch die beruflichen Perspektiven in der Bahnbranche beeinträchtigen könnten.

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