Wie können demokratische Institutionen das Vertrauen der Menschen zurückgewinnen? Und wie lässt sich die Bevölkerung stärker an politischen Entscheidungen beteiligen? Darüber haben Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft am Montag, 2. November 2026, in der Kehler Stadthalle diskutiert.
Die Veranstaltung wurde gemeinsam von der Stadt Kehl und der Hochschule für öffentliche Verwaltung Kehl anlässlich des 14. Weltforums für Demokratie des Europarates organisiert. Auch Studierende beteiligten sich an dem Austausch.
Im Mittelpunkt standen die zunehmenden gesellschaftlichen Gegensätze, die Folgen anhaltender Krisen und die Frage, wie Demokratie in Europa langfristig handlungsfähig bleiben kann.
Mehr Beteiligung und verständlichere politische Entscheidungen
Eine zentrale Erkenntnis der Diskussion: Demokratie braucht nicht nur funktionierende staatliche Institutionen, sondern auch Menschen, die sich aktiv einbringen.
Die Teilnehmenden sprachen sich dafür aus, Bürger früher an politischen Entscheidungen zu beteiligen und politische Abläufe transparenter zu gestalten.
Insbesondere junge Menschen sollten mehr Möglichkeiten erhalten, ihr eigenes Lebensumfeld mitzugestalten.
Auch der Umgang mit unterschiedlichen Meinungen spielte eine wichtige Rolle. Selbst bei kontroversen Themen müsse es gelingen, sachlich miteinander zu sprechen und gemeinsame Lösungen zu finden.
Kehl und Straßburg als Beispiel für Zusammenarbeit
Kehls Oberbürgermeister Wolfram Britz betonte die Bedeutung des Dialogs über unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen hinweg.
Gerade die Grenzlage Kehls und die enge Verbindung zum französischen Straßburg zeigten, wie wichtig gegenseitiges Verständnis und Zusammenarbeit seien.
Auch Jutta Schulze-Hollmén vom Europäischen Parlament hob in einem digitalen Grußwort die gewachsene Freundschaft zwischen beiden Städten hervor.
Sie ermutigte dazu, die grenzüberschreitenden Beziehungen weiter zu stärken.
Landtagspräsident spricht über demokratische Verantwortung
Thomas Strobl, der in der Pressemitteilung als Präsident des Landtags von Baden-Württemberg vorgestellt wird, hielt einen Vortrag über die Sicherung der Demokratie.
Er machte deutlich, dass demokratische Werte wie Freiheit und Frieden nicht selbstverständlich seien. Sie müssten durch gesellschaftliches Engagement und die Bereitschaft zum respektvollen Austausch erhalten werden.
Unterschiedliche Meinungen gehörten dabei ausdrücklich zur Demokratie.
Entscheidend sei, auch gegensätzliche Standpunkte anzuerkennen und Diskussionen sachlich zu führen.
Europarat stellt neuen demokratischen Pakt vor
Einen europäischen Ansatz stellte Dr. Wolfram Bechtel vom Europarat vor.
Er erläuterte den Neuen Demokratischen Pakt für Europa. Dieser soll demokratische Institutionen stärken, das Vertrauen in politische Prozesse fördern und Gesellschaften widerstandsfähiger gegenüber Krisen machen.
Zu den Schwerpunkten gehören politische Bildung, aktive Bürgerbeteiligung, der Schutz demokratischer Grundrechte sowie der Umgang mit gesellschaftlichen Veränderungen und neuen Technologien.
Der Ansatz richtet den Blick damit nicht nur auf Parlamente und staatliche Einrichtungen, sondern auch auf das demokratische Zusammenleben im Alltag.
Wirtschaft, Kommunen und junge Menschen auf dem Podium
In einer anschließenden Podiumsdiskussion wurden verschiedene Perspektiven zusammengeführt.
Neben Thomas Strobl und Wolfram Bechtel nahmen Kehls Oberbürgermeister Wolfram Britz, IHK-Präsidentin Brigitta Schrempp, der Grünen-Kreisrat Alfred Baum, Claus Haberecht vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft sowie Hochschulstudent Etienne Herzog teil.
Moderiert wurde die Diskussion von Hochschulrektor Prof. Dr. Joachim Beck.
Die Beteiligten waren sich laut Hochschule darin einig, dass demokratische Erneuerung notwendig sei, um das Vertrauen in politische Institutionen langfristig zu stärken.
Dazu gehörten eine verständliche Kommunikation politischer Entscheidungen, mehr gesellschaftliche Teilhabe und Maßnahmen gegen Ausgrenzung.
Hochschule sieht Verantwortung auch außerhalb der Politik
Hochschulrektor Joachim Beck betonte, dass die Zukunft der Demokratie nicht ausschließlich in Parlamenten entschieden werde.
Auch Kommunen, Unternehmen, Vereine und Hochschulen hätten eine wichtige Rolle. Dort könnten Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen zusammenkommen, politische Entwicklungen kritisch diskutieren und neue Lösungsansätze entwickeln.
Die Hochschule Kehl versteht sich dabei als Ort des Austauschs zwischen Verwaltung, Wissenschaft und Gesellschaft.
Zum Abschluss der Veranstaltung konnten die Gäste ihre Gespräche in persönlicher Runde fortsetzen.
Konkrete politische Beschlüsse oder verbindliche neue Maßnahmen wurden in der Pressemitteilung nicht genannt. Die Veranstaltung diente vor allem dem Austausch über Möglichkeiten, demokratische Beteiligung und gesellschaftliches Vertrauen zu stärken.
Bild: Hochschule Kehl

