Die Industriebetriebe im Südwesten blicken wieder zuversichtlicher auf die kommenden Monate – bei der Beschäftigung zeigt sich allerdings ein anderes Bild: 48 Prozent der befragten Unternehmen haben seit Jahresbeginn Personal abgebaut. Gleichzeitig sind die Auftragseingänge gestiegen. Das geht aus der aktuellen Konjunkturumfrage der wvib Schwarzwald AG hervor, an der sich rund 370 Mitgliedsunternehmen beteiligt haben.
Die Umfrage wurde im Oktober 2026 durchgeführt und betrachtet die wirtschaftliche Entwicklung der ersten neun Monate des Jahres.
Personalabbau nimmt zu
Während 48 Prozent der Unternehmen ihre Belegschaft seit Jahresbeginn verkleinert haben, stellten 40 Prozent zusätzliches Personal ein.
Zur Jahresmitte hatten sich Personalaufbau und Personalabbau mit jeweils 43 Prozent noch die Waage gehalten.
Auch für die kommenden sechs Monate bleiben die Unternehmen zurückhaltend: 26 Prozent rechnen mit sinkenden Beschäftigtenzahlen, während 19 Prozent zusätzliche Arbeitsplätze erwarten.
Bei der Halbjahresumfrage hatten erst 19 Prozent einen Personalabbau erwartet.
Umsatzwachstum verliert an Tempo
Von Januar bis September stiegen die Umsätze der befragten Unternehmen im Durchschnitt um 4,2 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Zur Jahresmitte hatte das Plus noch bei 6,4 Prozent gelegen. Das Wachstum hat sich im dritten Quartal somit abgeschwächt.
56 Prozent der Unternehmen meldeten gestiegene Umsätze, 40 Prozent verzeichneten Rückgänge.
Die Zahlen sind nominal, also nicht um Preissteigerungen bereinigt.
Aufträge steigen um 7,2 Prozent
Besser entwickelte sich der Auftragseingang. In den ersten neun Monaten lag er durchschnittlich 7,2 Prozent über dem Vorjahreswert. Zur Jahresmitte waren es noch sechs Prozent gewesen.
55 Prozent der Unternehmen meldeten mehr Aufträge, 25 Prozent weniger.
Für die kommenden sechs Monate erwarten 32 Prozent steigende Auftragseingänge. Nur zehn Prozent rechnen mit einem Rückgang.
Auch die Umsatzerwartungen haben sich verbessert: 37 Prozent der Betriebe gehen von steigenden Umsätzen aus, knapp 13 Prozent erwarten einen Rückgang. Etwa die Hälfte rechnet mit einer unveränderten Entwicklung.
Geschäftsklima nahe am Dreijahreshoch
Der Geschäftsklimaindex des wvib liegt aktuell bei 20,4 Punkten. Damit bleibt er knapp unter dem Halbjahreswert von 20,9 Punkten, der laut Verband den höchsten Stand seit drei Jahren markierte.
Der Index verbindet die aktuelle Geschäftslage mit den Erwartungen der Unternehmen.
Während die Bewertung der Geschäftslage von 23 auf 16 Punkte zurückging, verbesserten sich die Erwartungen von rund 19 auf rund 25 Punkte.
Verband warnt vor anhaltendem Kostendruck
wvib-Hauptgeschäftsführerin Hanna Böhme warnt davor, die verbesserten Erwartungen als Entwarnung zu verstehen.
Viele Unternehmen hätten in den vergangenen Monaten Kosten gesenkt, Personal abgebaut oder Investitionen verschoben, um profitabel zu bleiben.
Aus Sicht des Verbands belasten insbesondere hohe Energiepreise, geopolitische Unsicherheiten sowie Steuern und Sozialabgaben die Wettbewerbsfähigkeit. Böhme fordert deshalb niedrigere Steuern und Sozialabgaben, um Investitionen zu erleichtern.
Die Ergebnisse beruhen auf einer Befragung von rund 370 wvib-Mitgliedsunternehmen vom 1. bis 30. Oktober 2026. Sie bilden damit die Situation der teilnehmenden Betriebe ab und sind keine vollständige Erhebung aller Industrieunternehmen im Südwesten.

