Welche Orte im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald könnten bis 2050 besonders heiß werden? Wo drohen bei Starkregen gefährliche Wassermassen? Und was bedeutet der Klimawandel konkret für das eigene Wohnumfeld? Antworten darauf soll ein neues digitales 3D-Modell liefern. Der Landkreis stellt den sogenannten Digitalen Zwilling vom 3. bis 6. November 2026 bei einer Pilotwoche in Breisach vor. Auch Bürgerinnen und Bürger können die Technik selbst ausprobieren.
Das Projekt entsteht gemeinsam mit dem Höchstleistungsrechenzentrum der Universität Stuttgart. Die zunächst auf ein Jahr angelegte Zusammenarbeit wird nach Angaben des Landratsamts vom Land Baden-Württemberg finanziert.
Ein virtueller Blick in die Zukunft
Der Digitale Zwilling bildet Gelände und Gebäude des Landkreises dreidimensional ab. Nutzer können sich bei einem virtuellen Drohnenflug durch die Region bewegen und verschiedene Klimaszenarien betrachten.
Dabei lassen sich heutige Temperaturen mit Prognosen für das Jahr 2050 vergleichen. Berücksichtigt werden zwei Szenarien, die von unterschiedlich starkem weltweitem Klimaschutz ausgehen.
Bei einer Vorstellung des Systems zeigte Jakob Crone, Referent für Klimaanpassung im Landratsamt, wie sich künftige Hitze-Hotspots bis auf einzelne Flächen untersuchen lassen. Am Beispiel von Weinbergen am Kaiserstuhl wurden in einer Simulation gefühlte Temperaturen von mehr als 45 Grad angezeigt.
Das Modell kann außerdem mögliche Auswirkungen von Starkregen und Hochwasser darstellen. Dazu gehören Wasserstände und Fließgeschwindigkeiten, die auf vorhandenen kommunalen Daten beruhen.
Hilfe bei Baugebieten, Hochwasser und Waldpflege
Martin Barth, Erster Landesbeamter und Stellvertreter des Landrats, sieht darin vor allem ein Werkzeug für langfristige Entscheidungen.
So könnten Städte und Gemeinden bei der Planung neuer Baugebiete untersuchen, wo sich Hitze besonders stark entwickelt und wie Kaltluft durch ein Gebiet strömt. Auch bei Bauvorhaben in hochwassergefährdeten Bereichen könnten die Simulationen helfen.
Weitere mögliche Anwendungen betreffen die Land- und Forstwirtschaft, den Bevölkerungsschutz und den Tourismus. Selbst die künftige Winterentwicklung im Hochschwarzwald könnte für die Straßenunterhaltung eine Rolle spielen.
Barth verwies bei der Vorstellung auf die bereits spürbaren Folgen von Hitze und Trockenheit in der Region. Als Beispiele nannte er Probleme bei der Wasserversorgung und Belastungen für die Landwirtschaft.
Klimarisiken verständlicher machen
Dr. Bettina Joa, Referentin für Klimaanpassung beim Landratsamt, betonte, dass der Digitale Zwilling auch das Bewusstsein für persönliche Vorsorge stärken soll.
Abstrakte Temperaturanstiege sollen durch die dreidimensionalen Darstellungen leichter verständlich werden. Bürger könnten dadurch besser erkennen, welche Auswirkungen Hitze oder Wassergefahren auf ihr Umfeld haben könnten.
Langfristig ist auch eine Version geplant, die sich zu Hause über das Internet aufrufen lässt. Derzeit wird das System vor allem für Fachleute, die Kreisverwaltung und Vorführungen eingesetzt.
Bürger können das Modell in Breisach testen
Während der Pilotwoche unter dem Motto „Simulieren statt Riskieren“ können Interessierte den Digitalen Zwilling im BadenCampus in Breisach ausprobieren. Zur Verfügung stehen unter anderem eine VR-Brille, eine große 3D-LED-Wand und eine Computeransicht.
Öffentliche Termine sind vorgesehen für:
- Dienstag, 3. November 2026: 12.10 bis 13.40 Uhr
- Freitag, 6. November 2026: 12.10 bis 13.40 Uhr
- Freitag, 6. November 2026: 14.10 bis 15.40 Uhr
- Freitag, 6. November 2026: 16.10 bis 17.40 Uhr
Die Teilnehmer können verschiedene Darstellungen testen und Rückmeldungen geben. Damit möchte der Landkreis herausfinden, welche Funktionen besonders hilfreich und verständlich sind.
Öffentlicher Abend zum Wasser im Klimawandel
Zusätzlich lädt der Landkreis am Mittwoch, 4. November 2026, von 17 bis 20 Uhr zu einer Informationsveranstaltung im BadenCampus ein.
Unter dem Titel „Landkreis im Klimawandel – Wie gehen wir mit dem Wasser um?“ geht es um Trockenheit, Starkregen und Hochwasser in Südbaden.
Prof. Dr. Markus Weiler von der Universität Freiburg erläutert die Entwicklung des regionalen Wasserhaushalts. Anschließend stellt der Landkreis seine Aktivitäten zur Klimaanpassung vor. Auch die Simulationen von Starkregen und Hochwasser werden gezeigt.
Die Plätze sind begrenzt. Eine vorherige Anmeldung ist erforderlich.
Anmeldung und weitere Informationen: https://www.lkbh.de/klima
Bild: Marcel Hiller, BreisgauLIVE vor Ort

