Vor der für morgen, Samstag, 31. Oktober 2026, angekündigten Demonstration der Initiative „Gen Z regelt“ in Freiburg beschäftigen sich auch die Einzelhändler mit möglichen Auswirkungen auf ihre Geschäfte. Der Handelsverband Südbaden geht derzeit nicht von gewaltsamen Ausschreitungen aus, diese Einschätzung teilt auch die Stadtverwaltung. Einige Betriebe prüfen dennoch zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen.
Die Stadt Freiburg bestätigt unterdessen auf Anfrage von BreisgauLIVE, dass die Demonstration weiterhin nicht angemeldet ist. Hinweise auf einen unfriedlichen Verlauf liegen der Stadt bislang nicht vor.
Handelsverband: Geschäfte könnten vorsorglich schließen
Peter Spindler, Hauptgeschäftsführer und Leiter der Rechtsabteilung des Handelsverbands Südbaden, erklärt gegenüber BreisgauLIVE, dass die Einzelhändler zunächst zuversichtlich auf den angekündigten Protest blicken.
„Wir warten mal ab, wie sich die Situation entwickelt“, sagt Spindler.
Sollte sich die Lage zuspitzen, könnten einzelne Geschäfte vorübergehend schließen und ihre Eingänge beispielsweise mit Rollläden sichern. Auch andere Schutzmaßnahmen kämen dann infrage.
Nach Angaben des Handelsverbands gibt es zudem Geschäfte, die eine Verstärkung ihres Sicherheitspersonals planen.
Es gibt auch Überlegungen, ob Geschäfte tatsächlich geschlossen bleiben oder vorzeitig schließen. Die Lage hängt nach Einschätzung des Verbands allerdings von der weiteren Entwicklung ab.
Das Geschäft Hanfnah in Freburg zum Beispiel hat laut Angaben auf Social Media für sich beschlossen, den gesamten Samstag zu schließen. „Wir können uns das nicht antun und schließen für diesen Tag“, heißt es in einem Posting.
Händler hoffen auf friedlichen Protest
Die Einzelhändler hoffen laut Spindler, dass es in Freiburg nicht zu gewaltsamen Ausschreitungen wie bei Protesten in Frankreich kommt.
Grundsätzlich begrüßt der Handelsverband, dass Menschen ihr Demonstrationsrecht wahrnehmen und ihre Meinung öffentlich äußern können.
Gewalttaten lehnt der Verband jedoch ausdrücklich ab.
Konkrete Hinweise darauf, dass es bei der angekündigten Freiburger Demonstration zu Gewalt kommen könnte, gibt es bislang nicht.
Demonstration weiterhin nicht angemeldet
Die Stadt Freiburg teilte BreisgauLIVE am Freitag, 30. Oktober, mit, dass für die angekündigte Versammlung weiterhin keine Anmeldung vorliegt.
Deshalb könne die Stadtverwaltung weder die voraussichtliche Teilnehmerzahl noch eine mögliche Demonstrationsroute verlässlich einschätzen.
Die Stadt und das Polizeipräsidium Freiburg stehen nach Angaben der Verwaltung in engem Austausch und stimmen mögliche Maßnahmen miteinander ab.
Auf die Frage nach möglichen Ausschreitungen erklärte die Stadtpressestelle:
„Bislang haben wir keine Anhaltspunkte, dass es zu einem unfriedlichen Verlauf kommt.“
Auch unangemeldete Demonstrationen sind geschützt
Die Stadt weist darauf hin, dass auch eine unangemeldete Versammlung grundsätzlich unter dem Schutz der Versammlungsfreiheit steht.
Sollte die Gruppe am Samstag eine Versammlungsleitung benennen, kann die Polizei mit dieser beispielsweise Vereinbarungen über die Route treffen.
Falls keine Absprachen möglich sind, kann die Polizei bei Bedarf kurzfristig Auflagen erlassen. Eine Auflösung der Versammlung kommt laut Stadt nur als letztes Mittel infrage, wenn die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet sind.
Polizei appelliert an potentielle Demoteilnehmer
Auf Instagram hat die Polizei Freiburg inzwischen ein Statement veröffentlicht mit einer klaren Massage an potentielle Teilnehmer der Proteste: „Auch wenn andere provozieren oder die Stimmung kippt: Du entscheidest, was du tust. Mach bei Gewalt nicht mit.“
Protest sei kein Freifahrtschein dafür Sachen zu beschädigen, Menschen anzugreifen oder Pyrotechnik einzusetzen und dadurch andere zu gefährden. Die Polizei kündigt an, bei solchen Verstößen konsequent einzuschreiten.
Die Sicht der Gewerkschaft ver.di
Die Gewerkschaft ver.di unterstützt nach eigener Aussage die Demonstration: „[Die Sorgen junger Menschen] verdienen endlich mehr Gehör.“ Marode Schulen, knappe Ausbildungsvergütungen und die Angst vor einem Krieg würden gerade diese Menschen stark verunsichern.
Und sie übt Kritik an der Politik: „Noch bevor die ersten Demonstrationen begonnen habeb, redet vor allem die CDU vor möglicher Gewalt.“
Die Gewerkschaft verweist darauf, dass sich die Situation in Frankreich nicht auf die Lage in Deutschland übertragen lassen würde. Der Schülerprotest entstehe imNachbarland auch aus friedlicher Absicht. „Gewalt gegen Menschen und Sachbeschädigung sind ein absolutes No-Go. Wer Proteste für Krawall missbraucht, schadet denen, die gehört werden wollen.“
Tausende digitale Zusagen – tatsächliche Teilnehmerzahl offen
Die Initiative „Gen Z regelt“ hat für Samstag zu Protesten in insgesamt 23 deutschen Städten aufgerufen.
Für Freiburg wurde ein möglicher Beginn um 14 Uhr auf dem Platz der Alten Synagoge angekündigt.
Auf der Internetseite der Initiative waren heute zur Veröffentlichung des Berichts fast 4.000 digitale Zusagen für Freiburg verzeichnet. Diese Zahl entspricht jedoch nicht der tatsächlichen Teilnehmerzahl und erlaubt keine verlässliche Prognose.
Die Initiative fordert unter anderem bessere Bildung, eine stärkere Gesundheitsversorgung, bezahlbare Lebenshaltungskosten und mehr Klimaschutz. Außerdem richtet sich der Protest gegen die Wehrpflicht und bestimmte Sparmaßnahmen.
Ob und in welchem Umfang die Demonstration am Samstag tatsächlich stattfindet und ob Geschäfte in der Innenstadt ihre Sicherheitsmaßnahmen verstärken, bleibt abzuwarten.

