Forscher vom Universitätsklinikum Freiburg haben eine zusätzliche Behandlungsmöglichkeit für Menschen untersucht, die unter schweren Nebenwirkungen einer Krebsimmuntherapie leiden. In einer klinischen Studie besserten sich die Beschwerden bei 26 von 27 auswertbaren Patienten teilweise oder vollständig. Ein entsprechendes Medizinprodukt darf inzwischen auch für diese Anwendung eingesetzt werden.
Die Ergebnisse der Studie wurden am 23. Oktober 2026 in der Fachzeitschrift „Nature Communications“ veröffentlicht. An der Untersuchung unter Freiburger Leitung waren insgesamt 30 Patienten an den Universitätsklinika Freiburg, Essen und Regensburg beteiligt.
Wenn die Krebsbehandlung das eigene Gewebe angreift
Krebsimmuntherapien sollen das Immunsystem dabei unterstützen, Tumorzellen zu bekämpfen. Allerdings kann die verstärkte Immunreaktion auch gesundes Gewebe schädigen.
Mögliche Folgen sind schwere Entzündungen im Darm, in der Leber oder an der Haut. Diese können so ausgeprägt sein, dass die Krebsbehandlung unterbrochen werden muss.
Üblicherweise werden solche Entzündungen zunächst mit Kortison behandelt. Nach Angaben des Universitätsklinikums wirkt es bei etwa 40 Prozent der Betroffenen nicht ausreichend.
Weiße Blutkörperchen werden außerhalb des Körpers behandelt
Die Freiburger Forschenden untersuchten deshalb die sogenannte extrakorporale Photopherese. Bei diesem Verfahren werden weiße Blutkörperchen aus dem Blut entnommen, mit einem lichtempfindlichen Wirkstoff und UV-A-Licht behandelt und anschließend in den Körper zurückgegeben.
Das Ziel ist, die überschießende Immunreaktion zu beruhigen, ohne die erwünschte Abwehr gegen den Krebs umfassend zu unterdrücken.
Das Verfahren ist nicht grundsätzlich neu. Es wird bereits bei anderen Erkrankungen eingesetzt. Die Freiburger Forschung hat dazu beigetragen, seine Anwendung gegen Nebenwirkungen bestimmter Krebsimmuntherapien zu untersuchen und den Wirkmechanismus besser zu verstehen.
Bei 26 von 27 Patienten besserten sich die Beschwerden
An der Phase-Ib/II-Studie nahmen 30 Menschen teil, bei denen eine Kortisonbehandlung nicht ausreichend geholfen hatte.
Nach zwölf Wochen zeigten 26 der 27 auswertbaren Patienten eine teilweise oder vollständige Besserung ihrer Beschwerden. Das entspricht rund 96 Prozent.
Ein Großteil konnte nach Angaben des Universitätsklinikums auf Kortison verzichten. Schwere Nebenwirkungen, die der Photopherese zugeschrieben wurden, traten in der Studie nicht auf.
Medizinprodukt für zusätzliche Anwendung zugelassen
Im Oktober 2026 wurde nach Angaben des Universitätsklinikums die europäische Zulassung eines Photopherese-Systems auf die Behandlung immunvermittelter Nebenwirkungen von Krebsimmuntherapien bei Erwachsenen erweitert.
Damit steht für bestimmte Betroffene, bei denen bisherige Behandlungen nicht ausreichend wirken, eine zusätzliche Therapieoption zur Verfügung.
Allerdings sind die bisherigen Ergebnisse noch begrenzt aussagekräftig: Die Studie umfasste nur 30 Patienten und hatte keine direkte Vergleichsgruppe. Größere Studien müssen deshalb erst zeigen, wie gut die Behandlung im Vergleich zu anderen Therapien wirkt.
Auch ob die gewünschte Wirkung der Krebsimmuntherapie langfristig unbeeinträchtigt bleibt, lässt sich aus den vorliegenden Ergebnissen nicht abschließend beurteilen.
Bild: Universitätsklinikum Freiburg

