An der Eichendorff-Schule in Offenburg lernen Kinder der zweiten Klassen, wie sie ihre persönlichen Grenzen erkennen, Nein sagen und sich Hilfe holen können. Das im Oktober gestartete Unterrichtsprojekt soll Kinder stärken und sexualisierter Gewalt vorbeugen. Die Bürgerstiftung St. Andreas finanziert die benötigten Materialien mit rund 1.100 Euro.
Das Projekt trägt den Namen „Lisa bzw. Paul entdeckt die Welt“ und wird gemeinsam von der Eichendorff-Schule und der Schulsozialarbeit des Stadtteil- und Familienzentrums Albersbösch umgesetzt.
Gefühle erkennen und Hilfe holen
Im Mittelpunkt stehen Fragen, die Kinder im Alltag beschäftigen: Wann fühlt sich etwas unangenehm an? Welche Geheimnisse darf ich weitererzählen? Und wem kann ich mich anvertrauen, wenn ich Hilfe brauche?
Die Zweitklässler beschäftigen sich damit, ihre Gefühle wahrzunehmen, persönliche Grenzen zu erkennen und selbstbewusst Nein zu sagen. Sie lernen außerdem, dass sie schwierige Situationen nicht allein bewältigen müssen.
Der Unterricht ist in acht Themenbereiche gegliedert. Für jeden Bereich sind etwa ein bis zwei Schulstunden vorgesehen. Klassenleitungen und Schulsozialarbeiterin gestalten die Einheiten gemeinsam mit Bilderbüchern, Arbeitsheften, Spielen, Übungen und Liedern.
Die Materialien stammen von der „Aktion Kinderschutz“. Jedes Kind erhält ein eigenes Buch und eine Arbeitsmappe.
Prävention ohne Angst zu machen
Das Thema sexualisierte Gewalt wird altersgerecht behandelt. Die Bilderbücher verzichten bewusst auf die Darstellung von Gewaltsituationen.
Stattdessen soll der Unterricht das Selbstvertrauen der Kinder stärken und ihnen zeigen, an wen sie sich bei Problemen wenden können. Auch die Eltern werden über das Projekt informiert.
Die Bürgerstiftung St. Andreas übernimmt mit 1.132,88 Euro die Kosten für die Bücher und Arbeitshefte. Für die Familien entstehen dadurch keine Anschaffungskosten.
Die Prävention sexualisierter Gewalt soll auch künftig Teil der schulischen Arbeit bleiben. Ob dieselben Materialien dauerhaft genutzt werden können, hängt unter anderem von der Finanzierung ab.
Hier finden Betroffene Unterstützung
Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die sexualisierte Gewalt erlebt haben oder Beratung suchen, können sich an folgende Stellen wenden:
- Aufschrei! – Ortenauer Verein gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Erwachsenen, Hindenburgstraße 28 in Offenburg, Telefon 0781 31000.
- Nummer gegen Kummer für Kinder und Jugendliche: 116 111, anonym und kostenlos. Online-Beratung unter nummergegenkummer.de/online-beratung.
- Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch: 0800 22 55 530, anonym, kostenlos und vertraulich.
Bild: Stadt Offenburg

