Freiburg erinnert am Donnerstag, 22. Oktober, an die Deportation von mindestens 379 Freiburger Jüdinnen und Juden durch die Nationalsozialisten vor 86 Jahren. Die öffentliche Gedenkfeier beginnt um 16 Uhr auf dem Platz der Alten Synagoge. Anschließend führt ein Schweigemarsch zum Mantel-Mahnmal auf der Wiwili-Brücke.
Am 22. Oktober 1940 wurden mehr als 6500 jüdische Männer, Frauen und Kinder aus Baden, der Pfalz und dem Saarland in das südfranzösische Internierungslager Gurs verschleppt. Vom Freiburger Bahnhof aus wurden mindestens 379 Menschen deportiert.
Viele der Internierten starben in Gurs an Hunger, Krankheiten und den katastrophalen Lebensbedingungen. Ab August 1942 wurden Überlebende über das Sammellager Drancy bei Paris in die nationalsozialistischen Vernichtungslager deportiert und ermordet.
Enkel liest Briefe seiner Großeltern
Ein besonderer Teil des diesjährigen Gedenkens widmet sich dem Schicksal von Siegfried und Marie Nelson. Ihr Enkel Joachim S. Nelson liest aus Briefen seiner Großeltern, die im Oktober 1940 mit mehreren Angehörigen nach Gurs deportiert worden waren.
Marie Nelson arbeitete dort in der Krankenbaracke und starb im Februar 1942 mit 53 Jahren. Siegfried Nelson wurde im August 1942 nach Auschwitz-Birkenau deportiert und dort wenige Tage später im Alter von 55 Jahren ermordet.
Bei der Gedenkfeier sprechen unter anderem Bürgermeisterin Christine Buchheit, Nicole Elias von der Egalitären Jüdischen Chawurah Gescher und François Blum vom Verein der Nachkommen, Verwandten und Freunde der Mitglieder der ehemaligen Israelitischen Gemeinde Freiburg.
Kantor Moshe Haas von der Israelitischen Gemeinde Freiburg spricht anschließend die Gebete El Male Rachamim und Kaddisch zum Gedenken an die Opfer des Holocaust. Danach beginnt der Schweigemarsch zur Wiwili-Brücke, wo Kränze niedergelegt werden.
Synagogenbrunnen wird wieder mit Wasser gefüllt
Anlässlich des Gedenkens wird auch der zuletzt wegen Störungen trockengelegte Synagogenbrunnen auf dem Platz der Alten Synagoge wieder aktiviert. Nach Angaben der Stadt soll er voraussichtlich bis zum 22. Oktober mit Wasser gefüllt bleiben. Anschließend wird er erneut trockengelegt, bevor Anfang November Sanierungsarbeiten für einen dauerhaft störungsfreien Betrieb beginnen sollen.
Die Teilnahme an der Gedenkfeier ist kostenlos und steht allen Interessierten offen.
Bild: Marcel Hiller, BreisgauLIVE vor Ort (Archivbild)

