Die Wirtschaft am südlichen Oberrhein kommt langsam wieder in Schwung. Das zeigt die aktuelle Herbstumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Südlicher Oberrhein. Die Unternehmen bewerten ihre Geschäftslage deutlich besser als noch vor einem Jahr. Bei Neueinstellungen und größeren Investitionen bleiben sie allerdings vorsichtig.
Besonders für den Arbeitsmarkt ist die Erholung noch kein klares Entwarnungssignal: Nur 13 Prozent der befragten Betriebe wollen zusätzliches Personal einstellen. Dagegen denken 24 Prozent darüber nach, ihre Belegschaft zu verkleinern.
Mehr Unternehmen sind mit ihrer Geschäftslage zufrieden
Nach Angaben der IHK bewerten inzwischen 38 Prozent der befragten Unternehmen ihre Geschäftslage als gut. Nur 15 Prozent sind unzufrieden.
Der entsprechende IHK-Index ist innerhalb eines Jahres von fünf auf 24 Punkte gestiegen. Damit hat er sich zum dritten Mal in Folge verbessert.
„Wir sehen keine Hochkonjunktur, aber wir entwickeln uns positiv“, sagte der stellvertretende IHK-Hauptgeschäftsführer Alwin Wagner bei der Vorstellung des Herbstberichts am Mittwoch, 21. Oktober, in Freiburg.
Vor allem das Gastgewerbe und die Bauwirtschaft melden eine deutlich bessere Geschäftslage. In Industrie, Handel und Dienstleistungsbranche fällt die Verbesserung geringer aus.
Unternehmen blicken weniger pessimistisch nach vorne
Auch die Erwartungen für die kommenden Monate haben sich aufgehellt. Erstmals seit mehr als drei Jahren halten sich optimistische und pessimistische Einschätzungen wieder die Waage.
Jeweils rund 20 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer positiven beziehungsweise negativen Entwicklung. Der Index der Geschäftserwartungen steigt damit um 14 Punkte auf null.
Von einem breiten wirtschaftlichen Aufschwung spricht die IHK dennoch nicht. In Teilen der Industrie bleibt die Lage angespannt.
Investitionen und Neueinstellungen bleiben verhalten
Trotz der besseren Stimmung planen viele Betriebe weiterhin zurückhaltend. Jeweils etwa ein Fünftel will seine Investitionen ausweiten beziehungsweise reduzieren.
Nach Einschätzung der IHK investieren viele Unternehmen vor allem, um ihre bestehende Leistungsfähigkeit zu erhalten, statt zusätzliche Kapazitäten aufzubauen.
Auch auf dem Arbeitsmarkt bleibt die Situation schwierig. Während nur 13 Prozent der Betriebe zusätzliche Beschäftigte einstellen möchten, erwägen 24 Prozent einen Personalabbau.
Gleichzeitig haben weiterhin 40 Prozent der befragten Unternehmen Schwierigkeiten, offene Stellen zu besetzen. Besonders betroffen sind die Bauwirtschaft mit 51 Prozent und das Hotel- und Gastgewerbe mit 48 Prozent.
Stromversorgung wird zum Standortproblem
Zu den größten Belastungen zählen laut IHK die hohen Arbeits- und Energiekosten. Hinzu kommen Probleme mit der Stromversorgung und den verfügbaren Netzkapazitäten.
IHK-Präsidentin Brigitta Schrempp nennt Lahr als Beispiel. Dort könnten derzeit keine Industrieflächen angeboten werden, weil die Stromversorgung nicht gewährleistet sei.
Auch der Anschluss von Photovoltaikanlagen auf Industriegebäuden werde teilweise durch fehlende Netzkapazitäten erschwert.
Die IHK sieht darin ein Hindernis für Investitionen und die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Region.
Insgesamt fällt die Herbstbilanz damit gemischt aus: Die Geschäftslage verbessert sich, die Unternehmen blicken weniger pessimistisch in die Zukunft. Ob daraus ein dauerhafter Aufschwung entsteht, bleibt angesichts der schwachen Einstellungs- und Investitionspläne offen.
Bild: IHK Südlicher Oberrhein, Jochen Kern

