Die Sorgen vieler Auszubildender am südlichen Oberrhein wachsen deutlich: 71,6 Prozent der Befragten fürchten 2026 eine schlechte Wirtschaftslage und steigende Armut. Zwei Jahre zuvor waren es noch 37 Prozent. Gleichzeitig blickt fast die Hälfte der jungen Menschen zuversichtlich auf die eigene Zukunft. Das zeigt die dritte Azubi-Umfrage der IHK Südlicher Oberrhein mit rund 800 Teilnehmenden.
Die Angst vor einer schlechten Wirtschaftslage hatte bereits 2025 mit 70 Prozent stark zugenommen und erreicht nun 71,6 Prozent. Auch andere Krisenthemen beschäftigen die Auszubildenden: 67,8 Prozent sorgen sich vor einem Krieg in Europa, 66,4 Prozent vor einer schweren Krankheit und 60,3 Prozent vor Terroranschlägen.
Die persönliche Zukunft bewerten die Befragten dagegen deutlich positiver. 46,7 Prozent blicken eher optimistisch nach vorne, weitere 46,9 Prozent gemischt. Lediglich 7,5 Prozent beurteilen ihre persönliche Zukunft eher pessimistisch.
Mehr Azubis fühlen sich fair behandelt
Auch die Erfahrungen in den Ausbildungsbetrieben fallen in der Umfrage überwiegend positiv aus. 86,4 Prozent geben an, immer oder häufig respektvoll und fair behandelt zu werden. Im Vorjahr waren es 80 Prozent. 76,9 Prozent würden ihren Ausbildungsbetrieb weiterempfehlen.
93 Prozent berichten, dass ihre Arbeitszeiten immer oder häufig eingehalten werden. Bei 83,1 Prozent werden Überstunden entsprechend ausgeglichen. 94,6 Prozent können ihren Urlaub immer oder häufig wie gewünscht nehmen, für 98,3 Prozent ist der Besuch der Berufsschule immer oder häufig möglich.
Großes Interesse an Weiterbildung
80,6 Prozent halten eine Übernahme durch ihren Ausbildungsbetrieb für sicher oder wahrscheinlich. Noch größer ist die Bereitschaft zur Weiterbildung: 82,5 Prozent möchten sich nach ihrer Ausbildung weiterqualifizieren.
Von den Befragten mit konkreten Vorstellungen wollen 54,9 Prozent eine Weiterbildung im erlernten Beruf machen, 27,3 Prozent planen ein Studium und 10,9 Prozent eine Qualifikation in einem anderen Berufsfeld.
Gleichzeitig sieht die IHK eine Informationslücke. 40,5 Prozent geben an, von niemandem Informationen zu Weiterbildungsmöglichkeiten und finanzieller Unterstützung erhalten zu haben. 85,3 Prozent haben demnach noch nie von Förderpreisen oder Weiterbildungsstipendien gehört.
Gehalt ist für viele besonders wichtig
Bei der Berufswahl zählt für 63,8 Prozent ein gutes Gehalt zu den drei wichtigsten Kriterien. Dahinter folgen sinnvolle Arbeit mit 46,1 Prozent, die Nähe zum Ausbildungsort mit 40,8 Prozent und ein gutes Arbeitsklima mit 40,6 Prozent.
Mehr als jeder fünfte Befragte bewertet die eigene finanzielle Situation als schlecht oder sehr schlecht. 37,7 Prozent beurteilen sie als gut oder sehr gut, 40,5 Prozent als „okay“.
70,1 Prozent der Befragten wohnen noch bei ihren Eltern. 59,4 Prozent zahlen keine Miete, während 35 Prozent ihre Miete aus dem Ausbildungsgehalt finanzieren. 22,6 Prozent verdienen zusätzlich Geld mit einem Nebenjob.
Für die jährliche Umfrage wurden 2026 bis zu 801 Datensätze ausgewertet. Da nicht alle Teilnehmer jede Frage beantworteten, unterscheidet sich die Zahl der gültigen Antworten je nach Fragestellung. Die IHK führt die Befragung seit 2024 unter Auszubildenden in ihrem Kammerbezirk durch.

