(Bildquelle unter Text, sonst Symbolbild) Quelle der Infos: BreisgauLIVE-Recherche, Dejan Mihajlović
Am 26. April 2026 wird ein neuer Oberbürgermeister für Freiburg gewählt. Insgesamt stehen neun Kandidaten auf dem Wahlzettel zur OB-Wahl. Heute stellen wir Ihnen bei BreisgauLIVE Dejan Mihajlović vor. Er ist 1976 geboren und von Beruf Referent für Demokratiebildung und Digitale Transformation.
Der parteilose Oberbürgermeister-Kandidat Dejan Mihajlović bringt vor allem eines mit: einen klaren Fokus auf Bildung, Beteiligung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Der 49-Jährige lebt in Freiburg im Breisgau, ist verheiratet und Vater von vier Kindern.
Beruflich bewegt sich Mihajlović seit vielen Jahren an der Schnittstelle von Bildung, Digitalisierung und Demokratie. Er arbeitet als Referent für Demokratiebildung und digitale Transformation beim Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung Baden-Württemberg, unterrichtet in Freiburg und ist zudem als Lehrbeauftragter tätig. Darüber hinaus organisiert er Workshops, Vorträge und Netzwerke rund um zeitgemäße Bildung und berät Politik sowie Verwaltung.
Auch abseits des Berufs ist er laut seiner Webseite stark in der Stadtgesellschaft verankert: etwa durch sein Engagement in Vereinen, im Migrant*innenbeirat oder als Trainer im Sportverein. Sein Ansatz ist dabei klar: Eine Stadt funktioniert dann gut, wenn Menschen sich einbringen können und echte Teilhabe erleben.
Genau das spiegelt sich auch in seiner Kandidatur wider. Mihajlović tritt bewusst parteilos an und versteht seine Bewerbung weniger als klassischen Wahlkampf, sondern als Einladung an die Stadtgesellschaft, gemeinsam Ideen zu entwickeln. Formate wie sein Podcast-Projekt oder offene Beteiligungsangebote sollen möglichst viele Perspektiven sichtbar machen.
Inhaltlich setzt er Schwerpunkte bei Bildung, digitaler Transformation und Bürgerbeteiligung. Im Kern geht es ihm jedoch um ein größeres Ziel: Freiburg als eine Stadt weiterzuentwickeln, in der Menschen gemeinsam Lösungen finden – offen, solidarisch und zukunftsorientiert.
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BreisgauLIVE hat Dejan Mihajlović einige Fragen zu wichtigen Themen in der Stadt gestellt. Hier präsentieren wir seine Antworten:
1. Verpackungssteuer:
Bleibt die Verpackungssteuer in Freiburg oder würden Sie diese in Abstimmung mit dem Gemeinderat abschaffen bzw. anpassen?
„Die Kommunikation um die Verpackungssteuer war politisch und medial „suboptimal“. Hier muss auf jeden Fall nachgebessert werden. Die Daten aus Tübingen und Konstanz zeigt, dass Mehrwegquoten steigen und Müll sinkt. Gleichzeitig gibt es reale Belastungen von Menschen, die über wenig Geld verfügen oder bei kleinen Gastronomiebetrieben. Als OB würde ich einen offenen Dialog mit der Zivilgesellschaft und Gastronomie anstoßen, sowie eine ehrliche Evaluation der bisherigen Umsetzung. Ergebnisoffen, auf Basis von Fakten und gemeinsamen Werten.“
2. Flugplatz:
Welche konkrete Zukunft sehen Sie für den Freiburger Flugplatz – erhalten, komplett umbauen oder teilweise neu nutzen?
„Das ist eines der komplexesten Stadtentwicklungsthemen, das einen demokratischen Prozess mit allen Beteiligten erfordert: Anwohnenden, Nutzer*innen, Wirtschaft und Umwelt. Eine einfache Antwort wäre hier unehrlich. Mein Ansatz wäre hier, Beteiligung ernst zu nehmen, Lösungen gemeinsam zu entwickeln und nicht von oben zu verordnen.“
3. Wohnbau & Mieten:
Wie wollen Sie in Freiburg schnell mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen? Welche Rolle spielen dabei Dietenbach oder die Zähringer Höhe?
„Freiburg ist eine der teuersten Städte Deutschlands und das Problem mit bezahlbarem Wohnraum, ist nichts, das mit einer Maßnahme gelöst werden kann. Deshalb muss man auf mehrere Hebel gleichzeitig setzen. Leerstand angehen. Die Freiburger Stadtbau muss strategisch Grundstücke kaufen. Boden, den die Stadt heute nicht sichert, gehört morgen privaten Investor*innen. Die 50-Prozent-Quote für Sozialwohnungen ist ein Mindeststandard und muss durchgesetzt werden. Dietenbach ist die größte Stadtentwicklungschance seit Jahrzehnten. Soziale und ökologische Kriterien müssen bei der Vergabe zentral sein. Zur Zähringer Höhe: Mehr Wohnraum löst nichts, wenn er exklusiv ist. Mieter*innen brauchen kostenlose Rechtsberatung, damit die Mietpreisbremse nicht nur auf dem Papier gilt. Wenn bei allen Punkten Bürger*innen mehr beteiligt werden, werden wir nicht alles lösen können, aber für mehr Menschen in Freiburg bessere Lösungen finden.“
4. Wirtschaft:
Was ist Ihre wichtigste Maßnahme, um Freiburg als Wirtschaftsstandort langfristig zu stärken?
„Mit denen zu sprechen, die hier über Fachexpertise verfügen und denen, die es betrifft und dann Lösungen zu entwerfen, die sich mit den Werten der Stadt und Stadtgesellschaft decken (sozial gerecht, klimaneutral und demokratieaktiv). Das können z.B. Konzepte sein, die den Übernachtungstourismus fördern (Schnellbusse in die Region mit verschiedenen Ausflugszielen) und dem Tagestourismus entgegenwirken, der wenig zur lokalen Wertschöpfung beiträgt. Das kann aber auch bezahlbarer Wohnungen für Fachkräfte sein, damit sie überhaupt in Freiburg Fuß fassen können. Hier muss man ehrlich sein. Die Aufgabe eines Oberbürgermeisters ist es nicht, alles in allen Bereichen besser zu wissen. Das ist schlicht nicht möglich. (Das sage ich als jemand, der in manchen Bereichen seit vielen Jahren bundesweit als Experte eingeladen wird, um Politik, Verwaltung und Unternehmen zu beraten und deshalb weiß, was es bedeutet und braucht, um sich eine vertiefte Fachexpertise anzuzeigen.)“
5. Klimaneutralität 2035:
Ist die angestrebte Klimaneutralität bis 2035 realistisch? Welche konkreten Schritte planen Sie?
„Freiburg muss am Ziel festhalten. Aber es braucht klare, messbare Zwischenziele und echtes Controlling: Wo stehen wir? Was fehlt? Was muss beschleunigt werden? Welche Maßnahmen sind wo (je nach Stadtteil und Sachlage) besonders wirksam und nachhaltig? Windkraft auf den Höhen vorantreiben, Solar auf jedem städtischen Dach, Genehmigungsverfahren beschleunigen, deutlich mehr Flächen entsiegeln? Freiburgs „Green City“-Image muss mit Substanz gefüllt werden. Bekenntnis allein reicht nicht. Für konkrete Schritte benötige ich Informationen und Systemkenntnisse, die ein OB hat.“
6. Stadthalle:
Was soll konkret mit der alten Stadthalle passieren und in welchem Zeitrahmen?
„Die alte Stadthalle im Waldsee soll zu einem offenen, kostenlosen kulturellen Begegnungszentrum werden. Das ist eine meiner Kernideen. Ein Ort, an dem nicht konsumiert werden muss. Für alle Generationen. Offen für Vereine, Initiativen, Stadtgesellschaft. Das Modell der Oodi-Bibliothek in Helsinki zeigt, dass solche Räume eine Stadt zusammenbringen. Perspektivisch braucht Freiburg solche Orte in allen Stadtteilen. Den Zeitrahmen müssen wir gemeinsam mit dem Gemeinderat entwickeln. Realistisch und verbindlich.“
7. Innenstadt:
Wie wollen Sie den Leerstand in der Innenstadt verhindern und wieder mehr Leben reinbringen?
„Ein aktives Leerstand-Management, wo die Stadt erfasst, welche Räume leer stehen und wer die Besitzer sind, als Vermittler arbeitet und passende Ideen (z.B. soziale Initiative) mit passenden Räumen zusammenbringt und wenn Wohnung absichtlich leer stehen gelassen werden (Zweckentfremdung), eingreift und sicherstellt, dass sie wieder als Wohnraum genutzt werden können. Es braucht Zwischennutzungen, für junge Unternehmen oder Kunstgruppen, die für kurze Zeit ihre Ideen ausprobieren können und einen Nutzungsmix aus Wohnen, Arbeiten und Freizeit. Die Innenstadt muss Kultur- bzw. Begegnungsräume bieten, wie beim vorgeschlagenen Konzept für die alte Stadthalle.“
8. Verkehr & Radwege:
Braucht Freiburg mehr Tempo 30, ÖPNV oder bessere Radwege? Wo setzen Sie in der Mobilität Ihre Schwerpunkte?
„Der Schwerpunkt liegt darin, das Bürger*innen in den Mittelpunkt gestellt und Lösungen entwickelt werden, die Probleme nicht gegeneinander ausspielen, sondern Kompromisse darstellen, die möglichst viele Menschen verstehen und mittragen. Eine Energiewende muss so gestaltet werden, dass sie Menschen mit wenig Geld mitdenkt oder Bürger*innen, die mit Rollstuhl, Rollator oder Krücken unterwegs sind. Deshalb braucht es auch hier mehr Beteiligung, um vom breiten Wissen und den vielfältigen Perspektiven der Freiburger*innen zu profitieren und zu guten Ergebnissen zu kommen. Das kann ein vergünstigter oder kostenfreier ÖPNV für Armutsbetroffene sein, was häufig auf sehr junge oder alte Menschen sind oder ein besseres Radfahrnetz in allen Stadtteilen und ins Umland.“
9. Ordnung & Kontrolle:
Unterstützen Sie den Einsatz von Scan-Cars gegen Falschparker – ja oder nein?
„Ja. Scan-Cars sind nach meinem aktuellen Wissensstand ein effizientes und verhältnismäßiges Instrument. Falschparken auf Gehwegen blockiert Menschen mit Rollator, Kinderwagen oder Behinderung. Videoflächendeckende Überwachung lehne ich ab. Scan-Cars für Parkkontrollen sind ein anderes, gezieltes Instrument. Wichtig dabei ist ein transparenter und regelgebundener Einsatz.“
10. Lebensqualität & Sicherheit:
Was würden Sie konkret tun, um die Sicherheit und die Lebensqualität in Freiburg weiter zu verbessern?
„Sicherheit entsteht nicht durch mehr Kameras oder mehr Polizeipräsenz. Das Präsenz-Paradoxon zeigt: Häufig sichtbare Polizei lässt Menschen auf mehr Probleme schließen und sie fühlen sich unsicherer, nicht sicherer. Was wirklich hilft, sind mehr Straßensozialarbeit, bessere Aufenthaltsqualität und Lichtkonzepte, Housing First für wohnungslose Menschen und die Stärkung psychische Beratungsstellen. Sicherheit ist ein komplexes Problem und das Ergebnis einer funktionierenden Stadtgesellschaft.“
11. Bildung & Schulen:
Wie wollen Sie die Situation bei Kitas und Schulen in Freiburg verbessern und die Bildung stärken?
„Bildung findet vor und über die Schulzeit hinaus statt. Ein demokratisch starkes Freiburg braucht eine klüger werdende Stadtgesellschaft, sprich lebenslanges Lernen. Es gab zwischen 2008 und 2017 in regelmäßigen Abständen vier Freiburger Bildungsberichte, die Daten geliefert haben, mit deren Hilfe man konkrete Maßnahmen planen und umsetzen konnte. So ein ähnliches Monitoring würde ich angehen, um Probleme genauer erfassen und gezielter Lösungen entwickeln zu können. Kommunal kann und muss etwas für mehr Bildungsgerechtigkeit getan werden. Hier setze ich auf wissenschaftliche Erkenntnisse und bewährte Konzepte. Es braucht (junge) Menschen, die sich schon früh als wertgeschätzter und selbstwirksamer Teil dieser Gesellschaft erleben. „
12. Persönliches Statement:
Welche Themen sind Ihnen persönlich besonders wichtig, die hier noch nicht genannt wurden?
„Wenn ich Oberbürgermeister werde, will ich Freiburgs Selbstbild neu formen. Diese Stadt hat unendlich viel Potenzial, das brachliegt, weil der Bevölkerung zu wenig Beteiligung zukommt. Ein System als erstarrt und undurchsichtig zu erleben, fördert Frust – wir sehen es überall. Mit Strukturen, die der Zeit entraten sind, kann man sich dem kaum entgegenstellen. Erst wer die Bevölkerung in die Lage versetzt, Entscheidungen und Maßnahmen wieder nachzuvollziehen, holt sie zurück an Bord. Denn wer ernstgenommen wird, denkt mit und kümmert sich mit, weil Menschen Dinge gern unterstützen, wenn sie Sinn darin sehen. Unsere Chance: die Demokratie-Modellstadt Freiburg. Drei Themen sind mir dabei besonders wichtig, die bisher noch nicht genannt wurden:
1.) Demokratische Beteiligung jenseits von Wahlen. Eine Stimme alle acht Jahre reicht nicht. Ich möchte in Freiburg einen ständigen Bürger*innenrat nach Pariser Vorbild etablieren. 100 geloste Menschen, die die Freiburger Stadtgesellschaft repräsentieren (nach Alter, Geschlecht, Bildung, Wohnort usw.) und konkret an kommunalen Entscheidungen mitwirken. Menschen, die Selbstwirksamkeit statt Ohnmacht erleben.
2.) Digitale Souveränität. Freiburg sollte schrittweise unabhängig von US-Tech-Konzernen werden, die zunehmend autokratischen Interessen dienen. Das bedeutet Open-Source-Lösungen in Verwaltung und Schulen, digitale Infrastruktur, die Demokratie stärkt statt zersetzt, und verlässliche, faktenbasierte Informationsangebote für alle Bürger*innen.
3.) Gemeinschaft und Wohnen zusammendenken. Wohnen ist mehr als Quadratmeter. Ich denke an Quartiershäuser nach Wiener Vorbild. Gebäude mit sozialer Durchmischung, wo Kitas, Begegnungsräume, Nachbarschaftstreffs und Pflegeangebote unter einem Dach entstehen und wo Menschen würdevoll miteinander statt nebeneinander leben.“
Wir danken Dejan Mihajlović für die Beantwortung unserer Fragen. Bitte gehen Sie am 26. April 2026 bei der OB-Wahl in Freiburg wählen – im Wahllokal, vorab per Briefwahl oder durch die Wahlmöglichkeit im Wahlamt.
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Bild von Dejan Mihajlović: Baschi Bender
Die weiteren Portraits der Freiburger OB-Kandidaten in normaler Sprache: Florian Braune, Martin Horn, Wim Kölker, Achim Wiehle, Monika Stein, Dejan Mihajlović, Claudio Probst, Martin Borgmann, Karl Schwarz





