Mehr Umsatzrückgänge im Außer-Haus-Geschäft, häufigere Konflikte mit Gästen und steigender Personalaufwand: Eine zweite Befragung der IHK Südlicher Oberrhein zeichnet ein zunehmend kritisches Bild der Verpackungssteuer in Freiburg. Allerdings handelt es sich dabei um eine Befragung betroffener Betriebe und nicht um eine repräsentative Erhebung der gesamten Freiburger Gastronomie.
An der Wiederholungsbefragung im September beteiligten sich nach Angaben der IHK 123 Betriebe, 111 füllten den Fragebogen vollständig aus. Im April waren es 107 Teilnehmer, davon 101 vollständig. Die Umfrage wurde von IHK, DEHOGA Freiburg, Freiburger Bäckerinnung und Bundesverband Systemgastronomie initiiert.
Besonders deutlich fällt der Vergleich bei warmen Speisen zum Mitnehmen aus. Im April meldeten 63,3 Prozent der befragten Betriebe rückläufige Umsätze, im September waren es 79,8 Prozent. Bei Kaffee und anderen Heißgetränken stieg der Anteil von 66,3 auf 78,6 Prozent. Bei einwegverpackten Mitnahmeartikeln insgesamt ging es von 48,4 auf 64,2 Prozent.
Mehr Konflikte mit Gästen
Auch Konflikte rund um die Verpackungssteuer wurden häufiger gemeldet. Im April berichteten 86 Prozent der Betriebe von zumindest gelegentlichen Auseinandersetzungen mit Gästen, im September waren es 91,4 Prozent. Tägliche oder mehrmals wöchentliche Konflikte meldeten zuletzt 69 Prozent – im April waren es 52 Prozent.
Nach Angaben der IHK drehen sich die Diskussionen unter anderem um die Höhe und Anwendung der Steuer sowie unterschiedliche Regeln für Speisen, Besteck und mitgebrachte Behälter.
Auch der Arbeitsaufwand nahm laut Befragung zu. 85,2 Prozent der Teilnehmer meldeten im September zusätzliche tägliche Arbeitszeit, im April waren es 82,7 Prozent. Mindestens eine zusätzliche Arbeitsstunde pro Tag gaben zuletzt 43,5 Prozent an, gegenüber 29,6 Prozent im April.
IHK sieht keine stärkere Nachfrage nach Mehrweg
Die von der Stadt angestrebte Stärkung von Mehrweglösungen spiegelt sich nach Einschätzung der IHK nicht in ihrer Befragung wider. Eine deutlich gestiegene und aktive Nachfrage nach Mehrweg beobachteten im September 11,6 Prozent der Betriebe. Im April waren es noch 22,4 Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil der Betriebe, bei denen Einweg weiterhin bevorzugt werde, von 77,6 auf 88,4 Prozent.
Insgesamt bewerteten im September 92,3 Prozent der befragten Betriebe die Verpackungssteuer eher oder sehr negativ. Im April waren es 88,9 Prozent.
Die Stadt Freiburg erhebt die Verpackungssteuer seit dem 1. Januar 2026. Einweggetränke- und Einwegmahlzeitverpackungen werden grundsätzlich mit 50 Cent besteuert, Einwegbesteck mit 20 Cent. Ziel der Steuer ist es, Einwegmüll zu reduzieren und Mehrwegsysteme zu stärken.
Die IHK begrüßt einen Vorstoß mehrerer Gemeinderatsfraktionen, die Steuer auf Einwegbecher zu konzentrieren und die Mehrwegförderung auszubauen. Bereits im März hatten mehrere Fraktionen eine erneute Befassung des Gemeinderats mit der Verpackungssteuer für den 20. Oktober angestoßen.







