Ein neuer Wirkstoff könnte die Behandlung von Menschen mit Multipler Sklerose (MS) künftig verbessern. Zwei internationale Studien unter wissenschaftlicher Leitung aus Freiburg zeigen: Remibrutinib senkte die jährliche Zahl der Krankheitsschübe um 31 bis 35 Prozent gegenüber einer bereits eingesetzten MS-Therapie. Insgesamt nahmen 2.007 Patientinnen und Patienten an den Studien teil.
Die Ergebnisse wurden am 23. Oktober 2026 im medizinischen Fachmagazin „The Lancet“ veröffentlicht. Das weltweite Studienprogramm stand unter wissenschaftlicher Leitung eines internationalen Gremiums unter Vorsitz von Professor Heinz Wiendl, dem Ärztlichen Direktor der Klinik für Neurologie und Neurophysiologie am Universitätsklinikum Freiburg.
Deutlich weniger Entzündungen im Gehirn
Multiple Sklerose ist eine chronische Erkrankung, bei der das Immunsystem Entzündungen im zentralen Nervensystem verursacht. Zu den möglichen Folgen gehören Sehstörungen, Muskelschwäche und Einschränkungen beim Gehen.
In den Studien wurde Remibrutinib mit dem bereits eingesetzten MS-Medikament Teriflunomid verglichen.
Unter dem neuen Wirkstoff entstanden 65 bis 70 Prozent weniger neue oder vergrößerte Entzündungsherde im Gehirn.
Bei 50 Prozent der mit Remibrutinib behandelten Menschen ließ sich während der Studien keine Krankheitsaktivität feststellen. Sie hatten weder Krankheitsschübe noch neue Entzündungsherde oder eine bestätigte Zunahme ihrer körperlichen Einschränkungen. In der Vergleichsgruppe waren es 32 Prozent.
Hinweise auf langsameres Fortschreiten der Erkrankung
Die Studien liefern außerdem Hinweise darauf, dass Remibrutinib das Fortschreiten körperlicher Einschränkungen verlangsamen könnte.
Bei 7,7 Prozent der mit Remibrutinib behandelten Patientinnen und Patienten wurde eine über mindestens sechs Monate bestätigte Verschlechterung festgestellt. Unter Teriflunomid waren es 10,5 Prozent.
Ob sich dieser mögliche Vorteil langfristig bestätigt, ist noch offen. Die Forschenden untersuchen das in einer laufenden Verlängerungsphase mit einer Behandlungsdauer von bis zu fünf Jahren.
Keine schweren medikamentenbedingten Leberschäden beobachtet
Auch bei der Verträglichkeit zeigten die Studien positive Ergebnisse. Schwere medikamentenbedingte Leberschädigungen wurden unter Remibrutinib nicht beobachtet.
Das ist besonders relevant, weil bei anderen Wirkstoffen aus derselben Medikamentengruppe, den sogenannten BTK-Hemmern, in MS-Studien Probleme mit der Lebersicherheit aufgetreten waren.
Deutlich erhöhte Leberwerte wurden unter Remibrutinib bei 2,0 Prozent der Behandelten festgestellt, unter Teriflunomid bei 7,4 Prozent.
Unerwünschte Ereignisse traten unter beiden Behandlungen insgesamt ähnlich häufig auf. Unter Remibrutinib brachen jedoch weniger Teilnehmende die Therapie wegen Nebenwirkungen ab.
Wirkstoff noch nicht für MS zugelassen
Remibrutinib beeinflusst bestimmte Immunzellen, die an Entzündungen bei MS beteiligt sind. Der Wirkstoff gelangt auch ins Gehirn und kann als Tablette eingenommen werden.
Für die Behandlung von Multipler Sklerose ist Remibrutinib bislang nicht zugelassen. Der Hersteller Novartis plant nach Angaben des Universitätsklinikums Freiburg, auf Grundlage der Ergebnisse eine Zulassung zu beantragen.
Die beiden vom Hersteller finanzierten Phase-III-Studien REMODEL-1 und REMODEL-2 fanden an 407 Studienzentren in 46 Ländern statt.
Die Ergebnisse sind damit ein wichtiger Schritt in der Entwicklung einer möglichen neuen MS-Therapie. Ob und wann das Medikament für Menschen mit MS verfügbar sein wird, ist noch offen.

