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OB-Wahl in Offenburg: Sieben Kandidaten wollen ins Rathaus

Offenburg entscheidet am Sonntag, 11. Oktober, über die Nachfolge von Oberbürgermeister Marco Steffens. Sieben Bewerberinnen und Bewerber stehen bei der OB-Wahl auf dem Stimmzettel: Julian Christ, Dr. Tobias Benz, Ulrich Albicker, Dr. Fritz Düker, Okan Altun, Emanuel Rohr und Yasemin Tondo. Vom erfahrenen Bürgermeister bis zum 21-jährigen Studenten reicht das Feld – und auch bei den politischen Schwerpunkten gibt es deutliche Unterschiede.

Der Gemeindewahlausschuss hat alle sieben Bewerbungen zugelassen. Frank Tschany, der zunächst ebenfalls seine Bewerbung abgegeben hatte, gehört dagegen nicht zum endgültigen Kandidatenfeld: Nach Angaben der Stadt reichte er die erforderlichen Unterstützungsunterschriften nicht ein. Pascal Tempel zog seine Bewerbung fristgerecht zurück. Damit stehen am Sonntag sechs Männer und eine Frau zur Wahl.

Rund 46.800 Offenburgerinnen und Offenburger waren nach Angaben der Stadt Anfang September wahlberechtigt. Die sieben Kandidaten haben sich bereits am 22. September öffentlich in der Oberrheinhalle präsentiert. Jeder erhielt dort 20 Minuten für Vorstellung und Fragen aus dem Publikum.

Die Kandidaten werden hier in der offiziellen Reihenfolge auf dem Stimmzettel vorgestellt.

Julian Christ: Bürgermeister mit Verwaltungserfahrung

Julian Christ ist Bürgermeister von Gernsbach und damit einer von zwei Bewerbern, die bereits eine Kommune als Bürgermeister führen. Der 1987 geborene Christ studierte Öffentliches Recht und Politikwissenschaft und arbeitete anschließend unter anderem im Finanz- und Wirtschaftsministerium, im Staatsministerium sowie als Regierungsrat im Innenministerium Baden-Württemberg. Seit 2017 ist er Bürgermeister von Gernsbach, 2025 wurde er mit 63,1 Prozent für eine zweite Amtszeit wiedergewählt. Christ ist SPD-Mitglied.

In Offenburg stellt er Wirtschaft, Wohnen, Ehrenamt, Klimaanpassung und eine bürgernahe Verwaltung in den Mittelpunkt. Nach dem Nein beim Bürgerentscheid zur Entwicklung des Flugplatzes als Gewerbegebiet will er nach anderen Lösungen für zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten der Wirtschaft suchen. Für die Landesgartenschau fordert er eine Kostenobergrenze und lehnt städtisches Geld für den geplanten Aussichtsturm ab. Beim Hitzeschutz wirbt er unter anderem für zusätzliche Bäume. Außerdem will er Wohnraum auch für Studierende und Auszubildende schaffen und die Ortsverwaltungen stärken.

Dr. Tobias Benz: Bürgermeister aus Grenzach-Wyhlen

Dr. Tobias Benz ist 44 Jahre alt, in Ohlsbach aufgewachsen und ging in Offenburg zur Schule. Der Diplom-Volkswirt promovierte im Bereich Finanzwissenschaften und ist seit 2014 Bürgermeister von Grenzach-Wyhlen. 2022 wurde er nach eigenen Angaben mit 97,4 Prozent wiedergewählt. Benz ist CDU-Mitglied und sitzt unter anderem im Kreistag vom Landkreis Lörrach.

Sein Wahlprogramm umfasst ein breites Spektrum kommunaler Themen. Benz setzt sich unter anderem das Ziel von 2.000 neuen Wohnungen bis 2034. Er will Kitas und Schulen weiterentwickeln, die Verwaltung stärker digitalisieren und eine langfristige Strategie „Offenburg 2050“ mit der Bürgerschaft erarbeiten.

Bei der Mobilität will er Auto, ÖPNV, Rad- und Fußverkehr berücksichtigen. Parkgebühren sollen nach seinen Vorstellungen kundenfreundlicher gestaltet und ein Park-and-Ride-Angebot getestet werden. Bei der Landesgartenschau sieht auch Benz den Aussichtsturm wegen der Kosten kritisch. Zu seinen weiteren Schwerpunkten gehören Wirtschaft, Klimaanpassung, Innenstadt, Sicherheit und die Stärkung der Ortsteile.

Ulrich Albicker: Beteiligung, Klima und Wohnen

Ulrich Albicker tritt parteilos an. Der 1969 in Offenburg geborene Kandidat kommt aus der Wirtschaft und arbeitet nach eigenen Angaben seit 2008 als Director Sales Asia & Pacific bei einem Medizintechnikunternehmen. Zuvor war er unter anderem im internationalen Business Development tätig. Außerdem ist er Lehrbeauftragter für Konfliktmanagement an der Hochschule Offenburg.

Albicker stellt Bürgerbeteiligung, Klimaanpassung, Wirtschaft, Wohnen und Mobilität in den Mittelpunkt. Er fordert einen Kulturwandel im Rathaus und will Bürgerinnen und Bürger früher an Planungen beteiligen. Gegenläufige Meinungen sollen aus seiner Sicht ausdrücklich in Entscheidungsprozesse einfließen.

Beim Verkehr setzt Albicker auf eine Verbindung von ÖPNV, Rad-, Fuß- und Autoverkehr sowie digitale Verkehrssteuerung. Beim Wohnen nennt er mehr sozialen Wohnungsbau, eine stärkere Wohnbau Offenburg und den Housing-First-Ansatz gegen Obdachlosigkeit. Für den Klimaschutz spricht er sich unter anderem für mehr Grün, das Schwammstadtprinzip und den Schutz bestehender Baum- und Parkanlagen aus. Seine wirtschaftliche Erfahrung will er nutzen, um Offenburg als Standort weiterzuentwickeln.

Dr. Fritz Düker: Offenburger Stadtrat tritt an

Dr. Fritz Düker ist bereits kommunalpolitisch in Offenburg aktiv. Er gehört dem Gemeinderat an und ist Fraktionsvorsitzender der Freien Bürger Offenburg. Beruflich ist er Oralchirurg.

Düker stellt vor allem eine stärkere unmittelbare Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger heraus. In einer Vorstellung der Offenburger Stadträte erklärte er, dass aus seiner Sicht gerade auf lokaler Ebene mehr Mitbestimmung ermöglicht werden müsse. Beim Offenburger Bürgerentscheid zur möglichen Entwicklung des Flugplatzgeländes zum Gewerbegebiet hatte Düker unter anderem die Flächenversiegelung kritisiert.

Im Vergleich zu mehreren Mitbewerbern liegen in den für diesen Überblick ausgewerteten Unterlagen weniger ausführliche Angaben zu einem vollständigen aktuellen OB-Wahlprogramm vor. Deshalb werden ihm hier keine darüber hinausgehenden Positionen zugeschrieben.

Okan Altun: Mit 21 Jahren der jüngste Kandidat

Okan Altun ist 21 Jahre alt und damit mit Abstand der jüngste Bewerber um das Offenburger Oberbürgermeisteramt. Nach seinen eigenen Angaben studiert er und wirbt im Wahlkampf insbesondere dafür, dass sich junge Menschen politisch beteiligen.

In seinen öffentlichen Auftritten hat Altun die Wahlbeteiligung selbst zum Thema gemacht. Er ruft ausdrücklich dazu auf, am 11. Oktober wählen zu gehen – unabhängig davon, welchem Kandidaten die Stimme gegeben wird.

Als politische Schwerpunkte wurden von ihm unter anderem eine lebendigere Innenstadt, mehr Angebote und Orte für junge Menschen sowie Unterstützung für Vereine genannt. In der offiziellen Reihenfolge steht Altun auf Platz fünf des Stimmzettels. Die vorliegenden eigenen Angaben zu einem umfassenden Wahlprogramm sind deutlich knapper als bei Kandidaten mit ausführlichen Wahlprogrammen. Seine Positionen werden deshalb hier bewusst nicht über die belegten Schwerpunkte hinaus erweitert.

Emanuel Rohr: Parteiloser Quereinsteiger

Emanuel Rohr kandidiert parteilos und bezeichnet sich selbst als Kandidaten aus der praktischen Arbeitswelt. Nach eigenen Angaben arbeitet er seit 25 Jahren bei Burda, derzeit als Project Manager im Bereich Coaching und Kundenmanagement. Außerdem ist er Betriebsrat.

Rohr stellt Unabhängigkeit besonders heraus. Er gibt an, seinen Wahlkampf aus eigenen Mitteln zu finanzieren und keine Wahlkampfspenden anzunehmen. Inhaltlich nennt er Sicherheit und Sauberkeit, bezahlbares Wohnen, Verkehr, Klima- und Hitzeschutz, solide Finanzen, Familien und Bildung, Ehrenamt, Wirtschaft sowie mehr Bürgerbeteiligung als zentrale Themen.

Beim Verkehr geht Rohr besonders weit: Er fordert die Abschaffung von Parkgebühren für Bewohner und Besucher. Gleichzeitig will er Straßen und Brücken, Rad- und Gehwege sowie Barrierefreiheit verbessern. Die Ortsteile sollen nach seinen Vorstellungen mehr Verantwortung und Entscheidungsfreiheit erhalten.

Yasemin Tondo: Sicherheit, Familien und Innenstadt

Yasemin Tondo ist die einzige Frau im siebenköpfigen Kandidatenfeld. Sie tritt mit einem Programm an, das unter anderem Familien, Sicherheit, Wohnen, Wirtschaft, Innenstadt, Verkehr sowie Sauberkeit und Ordnung umfasst.

Beim Thema Sicherheit fordert Tondo mehr Präsenz, Prävention und eine stärkere Zusammenarbeit vom Kommunalen Ordnungsdienst mit Polizei sowie Jugend- und Sozialarbeit. Auch Beleuchtung und sichere Wege spielen in ihrem Programm eine Rolle.

Für Familien will sie unter anderem verlässliche Kinderbetreuung, ausreichend Betreuungsplätze, sichere Schul- und Kindergartenwege sowie familienfreundliche öffentliche Räume. In der Innenstadt setzt sie auf ein aktives Leerstandsmanagement, Pop-up-Stores und einen dauerhaften Runden Tisch mit Handel, Gastronomie, Hotellerie, Verwaltung, Politik und weiteren Beteiligten.

Sieben Namen stehen tatsächlich auf dem Stimmzettel

Damit ist auch eine zwischenzeitliche Unklarheit um die Zahl der Bewerber ausgeräumt: Frank Tschany hatte zwar zunächst seine Bewerbung abgegeben, wurde aber nicht zur Wahl zugelassen, weil nach Angaben vom Gemeindewahlausschuss die erforderlichen Unterstützungsunterschriften nicht eingereicht wurden. Auf dem endgültigen Stimmzettel stehen stattdessen genau diese sieben Namen: Julian Christ, Tobias Benz, Ulrich Albicker, Fritz Düker, Okan Altun, Emanuel Rohr und Yasemin Tondo.

Die Amtszeit vom bisherigen Oberbürgermeister Marco Steffens endet Anfang Dezember. Er tritt nicht erneut an. Gewählt wird am Sonntag, 11. Oktober. Erreicht im ersten Wahlgang niemand die erforderliche Mehrheit, ist für den 25. Oktober eine Stichwahl vorgesehen.


Quellen: Stadt Offenburg; Kandidatenvorstellung der Stadt Offenburg; Wahlprogramme und Internetauftritte von Julian Christ, Dr. Tobias Benz, Ulrich Albicker, Emanuel Rohr und Yasemin Tondo; Stadt Gernsbach; ergänzende Kandidatenangaben von Okan Altun und Dr. Fritz Düker; für die frühere Bewerbung von Frank Tschany ergänzend die vom Nutzer bereitgestellten Berichte von HITRADIO OHR und Stadtanzeiger Ortenau

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